Wien - Die Zahl der Verurteilungen wegen strafbarer Handlungen "gegen die Sittlichkeit" - wie es im Strafgesetzbuch heißt - sind im Vorjahr deutlich zurückgegangen. Die Zahl der nach den Paragrafen 201 bis 221 verurteilten Personen sank gegenüber dem Jahr 2000 um 11,8 Prozent auf 473. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Bereich des Kindesmissbrauchs aus. Nach einem Rückgang wieder angestiegen sind aber Verurteilungen wegen gewaltbestimmter Sexualdelikte, also Vergewaltigung und Nötigung.118 Personen (2000:115) wurden im Vorjahr wegen Vergewaltigung verurteilt und 29 (22) wegen geschlechtlicher Nötigung. In der Gesamtzahl - 147 Verurteilungen - kam man damit wieder auf den Stand des Jahres 1999. Höchststand der vergangenen zehn Jahre war im Jahr 1993 mit 183. Einen leichten Anstieg um eine Verurteilung auf insgesamt 26 Fälle gab es bei pornografischen Darstellungen mit Unmündigen. Wie berichtet, ist die Gesamtzahl aller gerichtlichen Verurteilungen in den vergangenen drei Jahren drastisch auf knapp 39.000 zurückgegangen. Noch 1999 hatten knapp 62.000 Angeklagte einen Gerichtssaal "schuldig" verlassen. Im aktuellen Sicherheitsbericht wird dies auf die am 1. Jänner 2000 eingeführten Bestimmungen der Diversion zurückgeführt. Laut Europarat liegt Österreich mit 85 Häftlingen pro 100.000 Einwohner wie Belgien im mittleren Durchschnitt. (DER STANDARD, Printausgabe 20./21.07.2002)