Messina - Das Zugunglück mit acht Toten und fast 50 Verletzen auf Sizilien ist ersten Ermittlungen zufolge auf Gleisverschiebungen oder zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen. Nur wenige Tage vor dem Unglück am Samstag sei an den Gleisen gearbeitet worden. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf Hinweise der Behörden. Die Behörden in Messina teilten mit, die Ermittler hätten etwa 120 Meter vor der Unglücksstelle eine Absenkung des Schotters unter den Schienen festgestellt. Dies könne Ursache einer Gleisverschiebung sein. Zulässige Geschwindigkeit Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von bisher 60 Kilometern pro Stunde an der Unfallstelle erst nach den jüngsten Gleisarbeiten erhöht worden sei, berichtete Ansa weiter. Die italienische Eisenbahngesellschaft hatte zuvor mitgeteilt, der Schnellzug sei 105 Stundenkilometer gefahren und damit langsamer als an der Unfallstelle erlaubt. Unter den Toten waren neben dem Zugführer Polizeiangaben zufolge eine 24-jährige Sizilianerin, die in Deutschland wohnte, und eine vierköpfige marokkanische Familie. Bei dem Unglück seien etwa 40 Menschen verletzt worden. Die Rettungsmannschaften setzen am Sonntag ihre Suche nach Opfern fort. In dem Zuges seien 190 Menschen gewesen, teilte die Polizei mit. Vernachlässigt Italienische Politiker und Gewerkschafter machten den Zustand des Eisenbahnnetzes in den armen Regionen im Süden Italiens für das Unglück verantwortlich. "Sizilien wurde Jahrzehnte lang vergessen und vernachlässigt", sagte Senator Domenico Nania. Züge aus Sizilien setzen mit großen Fähren auf das italienische Festland über. Die Gewerkschaften wiesen erneut auf veraltete Gleise und Weichen sowie mangelnde Wartungsarbeiten als mögliche Unfallursache hin. Sie kritisieren die Sparmaßnahmen der Bahn schon seit Jahren. Zuvor waren Sonntagfrüh drei Untersuchungen eingeleitet worden. Eine erste Untersuchung wurde von der Staatsanwaltschaft Messina eingeleitet. Auch die Experten des Verkehrsministeriums sind bereits am Werk, um die Ursachen der schwersten Zugkatastrophe auf Sizilien seit 1979 zu ermitteln. Die dritte Untersuchung wurde von der italienischen Bahngesellschaft Trenitalia eingeleitet. Die Chefs der Bahngesellschaft berichteten, dass die Lokomotive des Expresszugs "Pfeil der Lagune", der Palermo mit Venedig verbindet, erst kürzlich einer genauen Kontrolle unterzogen worden war. Auch die Gleise der Bahnstrecke rund um Messina waren vor kurzem neu gelegt worden. ((APA/Reuters)