Berlin - Auf heftige Kritik ist das neue Buch von Brigitte Hamann über Winifred Wagner bei Nike Wagner, der Urenkelin des Bayreuther Komponisten, gestoßen. Die "bekennende Nationalsozialistin Winifred Wagner" stehe in dem bei Piper erschienenen Buch "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" "als eine Frau da, die doch eigentlich tapfer und gut war, vielen geholfen hat, eine Couragierte, immer wieder gegen Parteiwillkür kämpfend", alles in allem "fast eine Märtyrerin am Wagner-Hof", schreibt Nike Wagner in einem Beitrag für die Donnerstagausgabe der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Die Welt". Die Autorin falle mit ihrer "sentimentalen 'Gerechtigkeit' für Winifred" hinter den Stand der Forschung zurück und arbeite mit Schuldzuweisungen und erhobenem Zeigefinger. Winifred Wagner habe vielmehr "durch ihre Herrschsucht, Dummheit und Rechthaberei vor allem Unheil angerichtet" in der politischen Geschichte Bayreuths und in der Familie. Umgekehrt werde Wieland, ältester Sohn von Winifred und Vater Nikes, "als Finsterling geschildert, machtgierig, schlecht gelaunt, intrigant, kaltherzig und politisch derart ahnungslos, dass er noch 1945 an den Endsieg seines 'Übervaters' Adolf Hitler glaubte", kritisierte Nike Wagner. Ähnliche Kritik an der Darstellung Winifreds hatte bereits ein weiterer Urenkel Richard Wagners, der Musikhistoriker Gottfried Wagner, erhoben und Hamann Verharmlosung des Umgangs mit dem Nationalsozialismus vorgeworfen. Die Historikerin wiederum hatte daraufhin den "unsinnigen Vorwurf" zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Winifred neben vielen negativen Eigenschaften auch einige positive gehabt habe: "Sie hat viele Juden vor dem Tod gerettet. Das darf ich als Historikerin nicht verschweigen, auch wenn sich ihr Enkel darüber noch so ärgert." (APA/dpa)