Wien - Nicht nur Börsenprofi André Kostolany hat immer schon geraten, Verluste möglichst rasch zu bereinigen, Gewinne aber laufen zu lassen. Markus Dürnberger, Asset Manager beim Salzburger Bankhaus Spängler, meint: "Der Idealfall eines jeden Investors, ,buy low, sell high', ist in der Praxis nicht umsetzbar."

Was kann ein Anleger tun? Zunächst ist wichtig, die strategische Verteilung der Anlagen so zu wählen, dass man auch in Zeiten wie jetzt wenig ändern muss, sogar eventuell noch nachschießen kann. Weiters hilft die taktische Über- bzw. Untergewichtung von Aktien, relativ zu Anleihen, in einem gemischten Portfolio, das Risiko zu reduzieren. Zusätzlich gibt es Möglichkeiten, das Aktienportfolio gegen krasse Verluste abzusichern. Stop Loss

Sie reichen vom Setzen eines "Stop Loss"-Limits bis hin zur Absicherung mittels derivativer Instrumente. Also beispielsweise der Kauf einer Put-Option auf einzelne Aktien im Portfolio oder auf den entsprechenden Index.

Auch Short-Zertifikate eignen sich für längerfristige Absicherungen. Christian Nemec, Investment-Stratege bei Sal. Oppenheim in Wien, gibt aber zu bedenken: "Absicherung ist immer ein Tausch von Risiken. Ich gebe damit auch Potenzial nach oben auf. Außerdem ist die Sicherung am teuersten, wenn ich sie am dringendsten brauche."

Der Experte rät auch ab, Sicherungen auf Basis von derivativen Produkten selbst zu konstruieren: "Da fliegen einem bald die 'Griechen' (die mit griechischen Buchstaben bezeichneten Risikokennzahlen, Anm. d. Red.) um die Ohren. Besser ist es, Profis heranzuziehen." Dürnberger sagt: "Eine hundertprozentige Absicherung ist nur sinnvoll, wenn man bereit ist, im Falle eines folgenden Anstieges der Märkte auf diese Erträge zum Teil oder ganz zu verzichten."

Nemec drückt das so aus: "Wenn ich mir Hosenträger und Gürtel nehme, dann ist das doppelt so teuer." Bei stärker schwankenden Märkten empfiehlt Nemec "eine prozyklische Konstruktion, also bei fallenden Märkten raus, in steigende rein. In Seitwärts-phasen ist diese Strategie allerdings ungünstig."

Ruhe bewahren

Stichwort: Hin und her macht Taschen leer. Nemec rät, jedenfalls die fundamentale Meinung laufend zu überprüfen: "Geht es noch weiter? Warum prognostiziert der Markt anders als ich? Wenn sich Positionen gegen mich bewegen, dann muss ich konsequent korrigieren. Außerdem sollte das Risiko so gestreut sein, dass eine Position nicht die ganze andere Arbeit zerstört."

Dürnberger versucht, durch Diversifizierung in verschiedenen Regionen sowie der in den Portfolios verwendeten Investmentstile Risiko zu reduzieren. Zum Beispiel durch Investment in "Quality-Growth Fonds", die in Unternehmen mit hoher Bilanzqualität, starker Marktpositionierung sowie möglichst hoher Prognostizierbarkeit der Erträge investieren.

So konnte sich der Spängler Long Term Value Trust im laufenden Jahr mit minus 7,79 Prozent (per 30.6.2002, in US-Dollar) von der Entwicklung des S&P 500 (minus 14,39 Prozent) abheben. Aber: Auch die Salzburger konnten sich dem gegenwärtigen Trend nicht ganz entziehen. (Nikolaus Dolenz, Der Standard, Printausgabe, 22.07.2002)