Hans Dichand, Cato und Caesar der "Krone", steht nach wie vor "voll und ganz" hinter der "unglaublichen" Geschichte, die einer seiner Sensationsreporter am Freitag aufgetischt hatte. Um die These, dass die formatfüllend vorgeführte Anna Krausmann die "Rubens-Oma" sei oder sein könnte, aufrechtzuhalten, ließ sich die Zeitung ihre Enthüllungsstory von einem "Kunstexperten" am Sonntag im "Exklusiv-Interview" mehr oder weniger bestätigen.

Der Experte erzählt: "Nach dem Artikel in der Krone über Anna K. aus Mauerkirchen im Innviertel begann ich sofort selbst zu recherchieren." Er hätte von einem "führenden Händler im europäischen Raum" den Namen "Krausmann" gehört, und da hätte es für ihn "keinen Anlass zu zweifeln" gegeben: "Von dort muss das Gemälde stammen." Raffiniert.

Der "goldene Tipp"

Doch was der Leser der "Krone" nicht erfährt: Just jener "Kunstexperte" war es, der dem Boulevardblatt vor ein paar Tagen den "goldenen Tipp" gegeben hatte. Er heißt Peter Wolf und arbeitet für das Dorotheum, also die Konkurrenz von Sotheby's.

Wolf wisse nur zu gut, schreibt die Zeitung, was er "an internationalem Ansehen zu verlieren" habe – "und dennoch" würde er im Interview "das Geheimnis um das teuerste Bild der Welt" lüften. Gelüftet wird natürlich nichts. Im Gegensatz: Der Artikel will verschleiern, dass Wolf, der Kronzeuge der Verteidigung, der Informant mit dem "goldenen Tipp" war. Schließlich wird er mit dem Satz zitiert: "Ich kannte aus dem Zeitungsartikel ja nur den abgekürzten Namen der Dame."

Die Krönung einer Übertreibung ist zudem die Bezeichnung "Exklusiv-Interview": Mit Wolf sprachen in den letzten Tagen wohl alle Journalisten, die den "Rubens" zu featuren hatten. Gegenüber dem STANDARD, dem er bestätigte, der "Krone" den "goldenen Tipp" gegeben zu haben, drückte sich Wolf noch weit drastischer aus. In dieser persönlichen Niederlage könnte ein Grund für die Motivation liegen, warum die Reputation von Sotheby's geschädigt werden soll: Wolf bezweifelt die Aussage von Sotheby's-Chefin Andrea Jungmann, die gesagt hatte, sie kenne keine Anna Krausmann, sie sei hingegen mit der Einbringerin in Kontakt.

Und Cato findet nichts dabei, dass Sotheby's das Bild versteigern ließ, ohne sich bei der Erbin zu melden – was gänzlich unmöglich ist. Auch die Ankündigung "Alles über die Tricks der Kunstszene" wird von der "Krone" nicht eingelöst. Man konnte bloß lesen, dass "aus Prinzip falsche Fährten gelegt" würden, um die Anonymität des Einbringers zu wahren. Und Cato schreibt nur, er "könnte" viel "über Vernebelungstaktik und Tricks" erzählen, weil er selbst Kunstsammler ist. Schade. Gerade die Vernebelungstaktik und Tricks des Kunstsammlers Dichand hätten uns sehr interessiert. (Thomas Trenkler/DER STANDARD; Printausgabe, 22.7.2002)