Madrid/Rabat/Brüssel - Die von den USA initiierten spanisch-marokkanischen Gespräche über den Perejil-Inselstreit haben die tiefen Differenzen zwischen den beiden Ländern deutlich gemacht. Spanien weigerte sich bei dem Treffen von Außenministerin Ana Palacio mit ihrem marokkanische Ressortkollegen Mohammed Benaissa am Montag in Rabat, über andere Themen als die Insel zu sprechen. In einer gemeinsamen Erklärung wurde lediglich der vorläufig neutrale Status der Insel vor der marokkanischen Küste festgehalten. Ein weiteres Treffen wurde für September in Madrid vereinbart. Rabat wollte außerdem über den Status von Ceuta und Melilla verhandeln. Es erhebt Anspruch auf die beiden spanischen Exklaven in Nordafrika. Spanien weigerte sich kategorisch, über die Westsahara-Frage zu sprechen. Marokko, das die Westsahara besetzt hält, verübelt der ehemaligen Kolonialmacht das Festhalten am Prinzip eines Selbstbestimmungs-Referendums. Madrid hatte in der UNO die jüngsten US-amerikanischen Pläne für eine Autonomie der Westsahara innerhalb Marokkos zu Fall gebracht. Im Weltsicherheitsrat hatten sich von den fünf ständigen Mitgliedern mit Vetorecht nur Russland und China gegen den US-Vorschlag ausgesprochen. Die große Mehrheit der nichtständigen Mitglieder lehnte aber wie Spanien die Umwandlung der Westsahara in eine "autonome" Provinz Marokkos ab. Die Befreiungsfront Polisario hatte 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) ausgerufen, die von über 80 Staaten anerkannt wurde. Anhaltende Verstimmung Die Weigerung Marokkos, europäischen Fischern weiterhin Zugang zu seinen Gewässern zu geben, sowie Einwanderung und Drogenschmuggel sind weitere Gründe für die seit Monaten anhaltende Verstimmung zwischen Madrid und Rabat. Das am Samstag vereinbarte Abkommen bedeute keine Vorentscheidung über den endgültigen Status der Perejil-Insel, hieß es in der Außenminister-Erklärung. In Brüssel gab der spanische Staatssekretär Ramon de Miguel zu, dass sein Land eine "andere Vorgangsweise vorgezogen" hätte; Spanien hätte es "nicht notwendig, auf die Vereinigten Staaten zurückzugreifen." Die Einschaltung Washingtons sei vielmehr "von der anderen Seite gewünscht" worden. "Die USA waren in der Lage, Marokko die von ihm geforderten Sicherheitszusagen für die Rückkehr zum Status quo zu geben, und wir haben mit ihnen kooperiert", erklärte de Miguel. Zugleich versicherte er, dass das Verhalten Frankreichs während der Krise keine negativen Auswirkungen auf die europäische "Gemeinschaftssolidarität" haben werde. Die Franzosen hatten nach der spanischen Militärintervention auf der Insel ihr Veto gegen eine Erklärung der dänischen Ratspräsidentschaft eingelegt, in der die Union ihre uneingeschränkte Unterstützung für Madrid bekunden sollte. Ein Sprecher von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi nannte die Beilegung des Konflikts "eine hervorragende Nachricht für beide Länder und für Europa". Die EU könne nun ihre Beziehungen mit Marokko als einem "befreundeten und benachbarten" Land "festigen und vorantreiben". Die marokkanische Presse forderte Verhandlungen über Ceuta und Melilla. Wenn Spanien die Souveränität über Gibraltar fordere, sei es folgerichtig, das Marokko Sebta (marokkanischer Name Ceutas) und Melilla sowie die gesamte besetzte nordafrikanische Zone für sich beanspruche. (APA/dpa)