Frankfurt/Main - Was bei Film und Fernsehen schon längst gang und gäbe ist, hält nun auch Einzug in die Buchbranche: Schriftsteller lassen sich dafür bezahlen, dass sie Markennamen in ihren Büchern unterbringen. Die britische Krimiautorin Fay Weldon und ihre schottische Schriftsteller-Kollegin Val McDermid waren die ersten, die sich offen zum so genannten Product Placement bekannten.Verlust an Glaubwürdigkeit Werbung in der Literatur - mancher in der Buchbranche rümpfte die Nase. Mancher Verleger dagegen, der zwar viele Buch-Ideen, aber wenig Geld hat, sieht darin eine Chance - wenngleich befürchtet wird, dass langfristig nicht nur die Glaubwürdigkeit von Autoren, sondern der Ruf der gesamten Buchbranche bedroht ist. Juwelen und Autos Autorin Weldon ließ sich vom italienischen Juwelier Bulgari eine nicht genannte Summe dafür überweisen, dass in ihrem Buch "The Bulgari Connection" der Markenname mindestens zwölf Mal auftaucht. McDermid schrieb für eine BMW-Kampagne rund um den Kleinstwagen Mini den Beginn eines Kriminalfalls, den 80 Hobby-Detektive in aller Welt bis November lösen sollen. "Einmaliger literarischer Scherz" "Fay Weldon hat das als einmaligen literarischen Scherz gemeint und einen guten Roman drumherum geschrieben", rechtfertigt sich Hoffmann und Campe-Programmchef Rainer Moritz. "Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass die Geschichte der PR untergeordnet wäre, hätten wir das Buch nicht gedruckt." Der Verlag profitiere nicht direkt von dem PR-Geld. Denkbar seien aber gemeinsame Veranstaltungen mit Bulgari, um das Buch zu vermarkten. Product Placement dürfe jedoch "nicht zum Prinzip von Literatur werden", räumt Moritz ein. Sponsoring könne im Abkaufen von Büchern bestehen Werbung in Büchern ist nicht neu: Erstmals 1950 tauchte in rororo- Taschenbüchern eine Anzeige für Pfandbriefe und Kommunalobligationen auf. Auch bei Sachbüchern ist Produktnähe ein alter Hut. Die Markenhersteller finanzieren dabei nicht unbedingt die Produktion eines Buches. Sponsoring kann zum Beispiel auch darin bestehen, dass der Sponsor dem Verlag eine bestimmte Zahl Bücher abkauft. Vom Bestattungsunternehmen gesponsort Diese indirekte Unterstützung ist nach Einschätzung von Dielmann weit verbreitet. Er schätzt, dass viele Verlage rund ein Drittel ihres Umsatzes über Kooperationen mit Unternehmen oder Verbänden generieren - um Nischentitel überhaupt machen zu können oder um das finanzielle Risiko zu senken. Der Eichborn Verlag etwa hat sich für einen Autogedichte-Band mit Porsche zusammengetan, allerdings ohne den Namen prominent zu erwähnen. Der Berliner Kleinverlag be.bra lässt sich seine "Berlin Krimi"- Reihe von einem ortsansässigen Bestatter sponsern. "Werbung kann nur kurzfristig helefen" Der Frankfurter Verleger Axel Dielmann warnt allerdings vor den Folgen von zu viel Werbung für die Buchbranche, "auch wenn ich mich davon selbst nicht freisprechen kann". "Wenn die Leser glauben, das hehre Kulturgut Buch ist käuflich, droht das alles hinfällig zu werden." Kurzfristig könne Werbung den Verlagen vielleicht finanziell helfen, "langfristig kann sie der ganzen Branche schaden". (APA/dpa)