Jerusalem/Ramallah/Kairo/Brüssel - Im Nahost-Konflikt deutet sich nach der Wiederaufnahme israelisch-palästinensischer Kontakte auf Regierungsebene eine leichte Entspannung an. Israel hat die vor zwei Wochen erfolgte Schließung des Büros des palästinensischen Jerusalem-Beauftragten Sari Nusseibeh in Ostjerusalem rückgängig gemacht. Der neue palästinensische Innenminister Abdel Razzek Yahia hat den Israelis einen Plan zur Beruhigung der Lage und zur Bekämpfung der Gewalt in den israelisch besetzten Gebieten vorgelegt. Israel soll nun grundsätzlich bereit sein, der palästinensischen Regierung die ihr zustehenden Steuereinnahmen vertragsgemäß zur Verfügung zu stellen. Zunächst sollten zehn Prozent der zurück gehaltenen zwei Milliarden Schekel (etwa 420 Millionen Euro) Anteil am Steueraufkommen ausbezahlt werden, hieß es. Die USA sollen an der Verwendungskontrolle beteiligt werden. Nusseibeh, der als Nachfolger des verstorbenen Feisal Husseini von Präsident Yasser Arafat zum Bevollmächtigten der palästinensischen Führung für Jerusalem ernannt worden war, sagte am Montag, das israelische Sicherheitsministerium werde sein Büro noch im Laufe des Tages wieder öffnen. In Jerusalem hieß es, Nusseibeh, der auch Präsident der palästinensischen Al-Quds-Universität ist, habe der israelischen Regierung eine "Versicherung" abgegeben, dass seine Büros auf dem Universitätsgelände künftig ausschließlich für akademische Zwecke genutzt würden. Der israelische Sicherheitsminister Uzi Landau hatte die Universität mit der Begründung schließen lassen, die Büros hätten "illegal" als Vertretung der palästinensischen Autonomiebehörde gedient. Die Polizei hatte zahlreiche Dokumente und Computer beschlagnahmt. Bereits im vergangenen Jahr hatte Israel die palästinensische Vertretung in Jerusalem, das Orient-Haus, geschlossen, was heftige internationale Proteste hervorgerufen hatte. Sicherheitsplan der Palästinenser Mit einem neuen Sicherheitsplan wollen die Palästinenser die Polizeihoheit in den besetzten Gebieten zurückgewinnen. Innenminister Yahia, der sein Amt im Juni angetreten hatte, legte bei einem Treffen mit einer israelischen Delegation unter Leitung von Außenminister Shimon Peres am Sonntag ein Programm vor, welches die etappenweise Rückkehr der palästinensischen Sicherheitskräfte nach einem Abzug der israelischen Armee vorsieht, wie die israelische Tageszeitung "Haaretz" am Montag berichtete. Erstmals werde in dem Plan eine öffentliche Kampagne in den Palästinensergebieten gegen Terror und Gewalt vorgeschlagen. Der palästinensische Minister für Kommunalverwaltung, Saeb Erekat, hat die Lage der rund drei Millionen Menschen in den besetzten Gebieten als "katastrophal" bezeichnet. 45 Prozent der Kinder unter fünf Jahren seien unterernährt, sagte Erekat am Montag in Ramallah. Er stützte sich dabei auf nicht veröffentlichte US-Untersuchungsergebnisse. Schuld seien die langen Ausgangssperren und israelischen Blockaden. Seit Beginn der zweiten Intifada Ende September 2000 seien mehr als 16.000 palästinensische Familien nach Häuserzerstörungen obdachlos geworden. Im Gaza-Streifen flammte die Gewalt am Montag erneut auf. Zwei Palästinenser versuchten nach israelischen Militärangaben, eine jüdische Siedlung im Süden des Gaza-Streifens anzugreifen. Soldaten hätten die Angreifer erschossen, meldete der israelische Rundfunk. Mubarak: Israel soll "historische Chance für Frieden nutzen" Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat Israel aufgefordert, die "historische Chance" für ein Ende des Konflikts mit den Arabern zu ergreifen. Trotz zahlreicher Hindernisse sei es immer noch möglich, Frieden in der Region zu erreichen, sagte Mubarak am Montag in einer Rede zum 50. Jahrestag der ägyptischen Revolution und des Sturzes von König Faruk vor Armeeangehörigen in Kairo.(APA/dpa/AP/Reuters)