Paris - 60 Jahre nach der Auslieferung zehntausender französischer Juden an die Nationalsozialisten hat der Pariser Regierungschef Jean-Pierre Raffarin an die Opfer und die Verantwortung seines Landes erinnert. Franzosen seien die Verwalter von "Vorkammern des Todes" gewesen, sagte Raffarin am Sonntag am Platz des 1959 abgerissenen Pariser Radsportstadions Vel d'Hiv, wo am 16. und 17. Juli 1942 mindestens 13.000 Juden für ihren Transport in Todeslager zusammengetrieben wurden. "Der erste Akt des Holocaust wurde hier gespielt, unter Mithilfe des französischen Staats", sagte Raffarin. Zwischen 1941 und 1944 wurden rund 75.000 Juden von Frankreich deportiert. Staatspräsident Jacques Chirac war vor sieben Jahren das erste französische Staatsoberhaupt, das die Rolle seines Landes bei den Deportationen öffentlich einräumte und sich dafür entschuldigte. Die jüngsten antisemitischen Anschläge in seinem Land verurteilte Raffarin scharf. "Angriffe auf die jüdische Gemeinde sind Angriffe auf Frankreich, Angriffe auf die Werte unserer Republik", sagte der Ministerpräsident vor rund 1.000 Zuhörern auf dem Platz des früheren Vel d'Hiv. Frankreich werde alles tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. (APA/AP)