Innsbruck - Der Skandal um Abgabenhinterziehung und Amtsmissbrauch in der Tiroler Finanzverwaltung nimmt immer größere Dimensionen an: Montag wurden drei weitere Beamte des Innsbrucker Finanzamtes verhaftet. Und die Staatsanwalt schloss "weitere Verhaftungen nicht aus".Seit Bekanntwerden der Affäre im Juni - damals waren zwei Mitarbeiter des Finanzamtes verhaftet worden, die die Bilanzen für den Ex-FC-Tirol-Manager Robert Hochstaffl zugunsten des monetär maroden Vereines selbst erstellt und dann auch selbst geprüft haben sollen - wanderten damit bereits sieben Finanzbeamte in Untersuchungshaft. Gegen insgesamt zwölf Beamte, die noch im Juni vom Dienst suspendiert wurden, laufen derzeit Ermittlungen. Sie alle sollen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die drei jüngst verhafteten Finanzbeamte sind aufgrund der Ermittlungsergebnisse nach den Hausdurchsuchungen vom vergangenen Donnerstag festgenommen worden. Wie DER STANDARD berichtete, waren in der Vorwoche zwei Beamte in U-Haft genommen worden. Die Vorwürfe: Missbrauch der Amtsgewalt, Beihilfe zur Abgabenhinterziehung, versuchte Erpressung und Korruption. Die Männer sollen gegen Bezahlung Listen von geplanten Betriebsprüfungen weitergegeben haben, einer soll auch Unternehmern gegen Bezahlung eine bessere Finanzprüfung ermöglicht haben. Auch Ministerium prüft "Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es möglicherweise noch weitere Täter gibt", erklärte Staatsanwalt Rudolf Koll. Die Nachforschungen liefen weiterhin auf Hochtouren. Die Ermittler - neben einem Richter und einem Staatsanwalt sind auch Finanzbeamte aus Wien sowie des Finanzministeriums mit dem Skandal beschäftigt - prüften derzeit "Unmengen" von Material. Bei den zwölf inzwischen suspendierten Mitarbeitern des Finanzamtes handelt es sich um elf Betriebsprüfer sowie den Leiter der Betriebsprüfungsabteilung. Sie sollen nicht nur die Buchhaltung durchgeführt und anschließend selbst geprüft und so "günstigere Ergebnisse" ermöglicht haben, sondern auch Unternehmen an bestimmte Steuerberatungskanzleien vermittelt und dafür Provisionen kassiert haben. (DER STANDARD, Printausgabe 23.07.2002)