Review by Nicole Haitzinger Wiederverzauberung der poetisch-grausamen Welt Vera Mantero erzählt Geschichten, essentielle Geschichten. Keine Ausschnitte, Schablonen, Scherenschnitte, sondern Skizzen des Lebens. Gestalten tauchen auf, fiktive und historische, verweben sich mit ihrer eigenen Biografie und werden lebendig. Keine untoten Schattenfiguren, eine Verweigerung der "Cleverness" einer Rekonstruktion. Mehr eine Annäherung, ein Antasten, eine Begegnung. Ein mehrdimensionales Geflecht, das ein Innehalten, einen Stillstand, ein Flackern der Gedanken erlaubt. Erlauben ist ein wichtiges Wort für Vera. So schafft sie sich ihre eigenen Assoziationräume, lotet Grenzmomente zwischen Sein und Nichts, Erscheinung und Mysterium, Bild und Rätsel aus. "Was sagt Tanz?", "Was kann ich mit Tanz sagen?", Was sage ich wenn ich tanze?" - offene Fragen, die Vera Mantero nie ganz beantworten kann, die ein Scheitern implizieren und den neuen Versuch herausfordern. Immer wieder, auch wenn man dabei ins Nichts fällt. Ihre Nacktheit, eine Rebellion gegen eine Disziplinierung des Körpers, ihr Kampf gegen die Polarisierung von Geist:Körper, ihre groteske und ironische Körpersprache, die das Zwischen artikuliert kristallisieren sich als Variationen eines Themas heraus: Das Lesen der Welt. Intelligent im Sinne von "miteinander verknüpfen", was scheinbar ohne logische Verbindung zu sein scheint. Ein roter Faden zieht sich durch alle drei Soli, der Ariadnefaden, der Theseus den Weg zurück durch das Labyrinth zeigen soll? Doch dieser Faden verwickelt sich, macht Umwege, taucht plötzlich wieder auf. Das Monster "atroz" ist in uns, wir sind Theseus und Ariadne gleichzeitig.