Wien - Der Vorstoß von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer für ein Mehrheitswahlrecht führt zu Irritationen sowohl innerhalb der eigenen Partei als auch bei den Grünen, berichtet die "Presse". Gusenbauer hatte zuletzt gemeint, ein Mehrheitswahlrecht könnte ein Konzept gegen den Rechtsextremismus sein. Nun erklärt der SPÖ-Vorsitzende, es handle sich um einen "Gedanken" für Europa. Der grüne Klub-Vizechef Karl Öllinger übte Kritik an Gusenbauer und meinte: "Ich halte das eigentlich für unglaublich". Ein Mehrheitswahlrecht würde nicht nur für die Grünen das parlamentarische Aus bedeuten, sondern auch kein probates Mittel gegen den Rechtsextremismus sein. Auch ein Extremer könnte gegebenenfalls mittels relativer Mehrheit die absolute Macht erreichen. Gusenbauer meinte zu den Befürchten der Grünen, "man könnte eine Zusammenarbeit überlegen". Eine "Kooperation" könnte etwa der Abschluss eines Wahlbündnisses sein. Innerhalb der SPÖ wird der Gusenbauer-Vorschlag ebenfalls mehr als skeptisch betrachtet. "Sicher kein Vorschlag für Österreich", hieß es laut "Presse" in der Partei. Beim klassischen Mehrheitswahlrecht wird in kleinen Wahlkreisen jeweils nur ein Mandat an den stimmenstärksten Bewerber vergeben. Damit hätten kleinere Parteien gegen die organisierten großen kaum Chancen. Um diesen Effekt abzuschwächen, werden immer wieder Mischsysteme aus Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht ausprobiert. (APA)