Wien - Die komplette Schließung des umstrittenen Atomkraftwerks Ignalina sei für Litauen "untragbar"; eine Erfüllung dieser Forderung der EU würde das Land "in den Bankrott treiben". Das machte der litauische Präsident Valdas Adamkus vor seinem Österreich-Besuch in einem Interview mit der Tafeszeitung "Die Presse" (Dienstag-Ausgabe) deutlich. Allein die Schließungskosten des zweiten Reaktors betrügen fast vier Milliarden Euro.Litauen komme nicht als "Bettler" "Die osteuropäischen Länder, die jetzt der EU beitreten wollen, müssen in wirtschaftlicher Hinsicht noch viel aufholen gegenüber dem Rest Europas. Das ist aber kein Hindernis, sondern ein zu lösendes Problem", sagte Admkus. Litauen komme aber "nicht mit geöffneter Hand als Bettler" in die EU. "Wir müssen in der Landwirtschaft eine Menge machen, wir müssen unsere Energiequellen restrukturieren, und wir sind uns der Schwierigkeiten bewußt, die eine totale Erneuerung unseres gesamten Verwaltungs- und Justizsystems erfordert." Nicht bis 2004 warten Der Streit zwischen der EU und Russland um die russische Exklave Kaliningrad sei "keine heikle Frage für Litauen", sagte Adamkus. "Derzeit ist es Faktum, dass dann ein Visum erforderlich sein wird. Wir haben (Russlands) Präsident (Wladimir) Putin in einem persönlichen Gespräch vorgeschlagen, daß Moskau und Brüssel nicht bis 2004 warten sollen, also bis zu jenem Zeitpunkt, zu dem wir hoffentlich Vollmitglied sein werden. Schon heute soll verhandelt werden, wie die Visa-Frage für die Russen aus Kaliningrad gelöst werden kann. Wir haben als Möglichkeit vorgeschlagen, für alle russischen Bürger der Kaliningrader Region Magnetkarten auszugeben, die jeweils beim Grenzübertritt registriert werden. Das wäre ein vereinfachtes Visumverfahren ohne Papierkrieg, Bürokraten und Geldwechsel." Zur demokratischen Entwicklung in Russland sagte Adamkus, es werde noch Jahrzehnte dauern, bis eine neue Generation an die Macht komme. Heute gebe es noch viele Überreste der Ideologie, der Politik, des Denkens des vergangenen Jahrhunderts. Auf die Frage nach der Entwicklung in Weißrußland meinte der litauische Präsident: "Ich mache gegenwärtig keinen großen Unterschied zwischen Rußland und Belarus." (APA)