Gaza/Jerusalem/New York - Bei einem israelischen Raketenangriff auf das Haus eines militanten Palästinenserführers sind in der Nacht auf Dienstag in Gaza 15 Menschen getötet worden. Unter den elf in das Krankenhaus von Gaza gebrachten Leichen seien die von acht Kindern, einschließlich eines zwei Monate alten Babys, teilte die Klinik am Dienstag mit. Vor der Klinik versammelten sich etwa 4000 Palästinenser und skandierten antiisraelische Parolen.Familie und Leibwächter Shehades getötet Israel hat es bei dem Raketenangriff auf den Führer des militärischen Flügels der Hamas-Bewegung "Brigaden Ezzedin el Kassam", Salah Shehade, und dessen Leibwächter abgesehen, beide wurden getötet. Auch Shehades Ehefrau Leila und deren Tochter kamen demnach ums Leben. Alle vier seien bei dem Luftangriff regelrecht zerfetzt worden. Nach dem Angriff kurz nach Mitternacht stürzten das fünfstöckige Haus, in dem Shehades Familie wohnte, und mehrere angrenzende Gebäude ein. Auf der Liste der meist gesuchten Extremisten Shehade war die Nummer Eins auf der israelischen Liste der meistgesuchten palästinensischen Extremisten. Aus Protest gegen die israelische Regierungspolitik ist Vize-Verteidigungsministerin Dalia Rabin-Pelossof, Tochter des 1995 ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin, von ihrem Amt zurückgetreten. Hamas kündigte nach dem Angriff Vergeltung an Ein israelisches Kampfflugzeug feuerte kurz nach Mitternacht mehrere Raketen auf das Haus Shehades in der Stadt Gaza ab. Hamas kündigte nach dem Angriff Vergeltung an. Noch am Montag hatte Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin gesagt, seine Bewegung erwäge unter bestimmten Bedingungen ein Ende der Selbstmordanschläge in Israel. Hamas (Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes") prüfe "ernsthaft einen Stopp der Märtyreroperationen, wenn Israel sich aus sieben Städten des Westjordanlands zurückzieht, Liquidierungen und Häuserzerstörungen stoppt, Häftlinge freilässt und die Blockaden beendet". Die israelische Armee hatte zuletzt den führenden Hamas-Aktivisten Muhanad Taher im Westjordanland getötet. Israel gibt "Fehler" zu Die israelische Regierung hat indes "Fehler" bei dem gegen den bewaffneten Arm der radikalen Hamas-Bewegung gerichteten Militäreinsatz zugegeben. Innenminister Eli Yishai erklärte im Rundfunk in Jerusalem: "Es war nicht unsere Absicht, Unschuldige zu töten." Zugleich rechtfertigte Yishai den Luftangriff. Israelische Zivilisten müssten vor palästinensischen Selbstmordanschlägen geschützt werden, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Nach Angaben des Innenministers, der der religiösen Shas-Partei angehört, wurde das israelische Sicherheitskabinett vor dem Angriff nicht konsultiert. Verteidigungsministerium rechnete nicht mit zivilen Opfer Das israelische Verteidigungsministerium ist nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass sich bei dem Raketenangriff auf das Wohnhaus des Hamas-Militärchefs Salah Shehade in Gaza keine Zivilisten in der Nähe befinden würden. Entsprechend sei das Ministerium vom Militärgeheimdienst vor dem Einsatz informiert worden, teilte das Ministerium am Dienstag in Jerusalem mit. "Nach den Informationen, die uns vorlagen, waren keine Zivilisten in seiner (Shehades) Umgebung zu erwarten. Deshalb teilen wir unser Bedauern über das Unglück mit, das diese getroffen hat", hieß es in der Erklärung. Laut Armeerundfunk gaben der israelische Regierungschef Ariel Sharon und Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer "persönlich" grünes Licht, den Hamas-Führer Salah Shehade zu töten. Rabin: Sharon führt nicht das Erbe meines Vaters Yitzhak fort Israelische Medien berichteten am Dienstag, die 51-jährige Politikerin Dalia Rabin von der Arbeiterpartei habe ihre Demission als stellvertretende Verteidigungsministerin damit begründet, die Koalitionsregierung unter Premier Ariel Sharon führe nicht das Erbe ihres Vaters Yitzhak Rabin fort, und sie könne nicht guten Gewissens länger in der großen Koalition mit Sharons Likud-Block bleiben. Die Tageszeitung "Haaretz" schrieb, Dalia Rabin wolle zunächst ihr Abgeordnetenmandat behalten und gleichzeitig ihre Tätigkeit im Rabin-Zentrum für Frieden fortsetzen. Ministerpräsident Rabin, der gemeinsam mit Außenminister Shimon Peres den Friedensprozess mit den Palästinensern in Gang gesetzt hatte, war im November 1995 in Tel Aviv von einem rechtsextremen jüdischen Fanatiker ermordet worden. Arbeiterpartei solle "Koalition der Nationalen Einheit" verlassen Sollte sich ein Konflikt zwischen ihren Friedensaktivitäten und ihrer politischen Funktion ergeben, werde die zurückgetretene Vizeministerin "nicht zögern", das Parlament zu verlassen, schrieb "Haaretz". In einem Brief an den Vorsitzenden der Arbeiterpartei, Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer, schrieb Rabin-Pelossof, sie stimme der politischen Linie der Regierung nicht zu, die keinen "politischen Horizont" für Verhandlungen mit den Palästinensern habe. Nach ihrer Einschätzung sei die Regierung der Nationalen Einheit "am Ende angelangt". Bereits nach der Wiederbesetzung palästinensischer Autonomiegebiete durch die israelische Armee hatte Dalia Rabin dafür plädiert, dass die Arbeiterpartei die "Koalition der Nationalen Einheit" verlässt. UNO-Generalsekretär Annan verurteilt Israels Angriff UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat in einer ersten Reaktion den israelischen Luftangriff in Gaza verurteilt. Annans Sprecher sagte in New York: "Israel hat die rechtliche und moralische Pflicht, alle Maßnahmen zu treffen, um den Verlust unschuldigen Lebens zu verhindern." Der Abschuss einer Rakete auf ein Wohnhaus entspreche dem eindeutig nicht, sagte der Sprecher. (APA/Reuters)