New York - Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, hat sich "enttäuscht" über die Entscheidung der USA gezeigt, dem UNO-Bevölkerungsfonds (UNFPA) die Finanzhilfe zu streichen. Der Fonds erfülle eine wichtige Aufgabe und fördere keineswegs Abtreibungen, sagte Annans Sprecher am Montag in New York. Wenn der US-Beitrag von 34 Millionen Dollar (33,5 Mill. Euro) wegfalle, müssten andere Geber gefunden werden, betonte der Sprecher. Es dürfe nicht sein, dass die armen Frauen auf der Welt durch die US-Entscheidung litten. Der UNO-Bevölkerungsfonds zeigte sich "traurig und schockiert", der chinesische Botschafter in Washington machte innenpolitische Motive für den Beschluss verantwortlich. Mit den 34 Millionen Dollar aus Washington hätten der Organisation zufolge zwei Millionen ungewollte Schwangerschaften und 800.000 Abtreibungen verhindert werden können, weiterhin 4.700 Sterbefälle im Kindbett, 60.000 schwere Krankheitsfälle bei Müttern sowie mehr als 77.000 Todesfälle bei Kindern und Säuglingen. Gelder sollen künftig an die US-Behörde für internationale Entwicklung gehen US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor beschlossen, die für Familienplanung und öffentliche Gesundheit vorgesehenen Gelder künftig an die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) statt an den UNO-Fonds zu zahlen. Die US-Regierung wirft dem UNFPA vor, Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen in China zu unterstützen. Nach vorsichtiger Prüfung sei die US-Regierung zu dem Schluss gekommen, dass mit dem Geld des UNO-Bevölkerungsfonds Zwangsmaßnahmen der chinesischen Regierung zur Geburtenkontrolle unterstützt würden, sagte Außenamts-Sprecher Richard Boucher. Powells Beschluss, der bereits im Jänner getroffen worden sei, stütze sich auf das 1985 vom US-Kongress verabschiedete Kemp-Kasten-Gesetz, wonach die finanzielle Unterstützung von Zwangsabtreibungen und unfreiwilliger Sterilisation durch US-Gelder auf Anordnung der Regierung untersagt werden kann. (APA)