Bregenz - Nach den erfolgreichen Opern-Premieren im Haus ("Julietta") und auf der Seebühne ("La Boheme") gab es bei den Bregenzer Festspielen Montagabend das erste Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker. Dirigent Daniel Nazareth machte den musikalisch hochkarätigen Abend zum Gustav Mahler-Privatissimum - auf dem Programm stand die Erstaufführung der Symphonie Nr. 5 in der Fassung letzter Hand. Nazareth und die blendend disponierten Symphoniker wurden nach atemberaubenden zwei Konzertstunden mit Jubel und Ovationen bedankt. Dabei begann der Konzertabend durchaus ungewöhnlich: In einem rund halbstündigen Kurzseminar führten Nazareth und der Wiener Musikwissenschaftler Reinhold Kubik in Doppel-Conference und mit live gespielten Tonbeispielen sowie einer historischen Mahler-Aufnahme auf einem Welte-Klavier (1905) in die Feinheiten der neuen kritischen Ausgabe der Fünften Symphonie ein. Das Werk wurde vor 100 Jahren am 23. August 1902 uraufgeführt, Mahler selbst hat aber immer wieder kleinere und größere Änderungen in der Instrumentierung vorgenommen. Quellenstudien Auch nach der zweiten Fassung (1905) arbeitete der Komponist weiter und unterzog die gewaltige Fünfte Symphonie ein Jahr vor seinem Tod (1911) einer grundlegenden Revision. Reinhold Kubik hat für die Kritische Mahler-Gesamtausgabe umfangreiche Quellenstudien zur 5. Symphonie gemacht. Die Forschung hat eine Reihe von neuen Erkenntnissen sowie Richtigstellungen von Fehlern erbracht, die sich im Laufe der Interpretationsgeschichte in Bezug auf Dynamik, Phrasierung und Artikulation eingebürgert haben. Nach der locker und dosiert vorgetragenen Theorie kam die glutvolle Praxis: Daniel Nazareth und die Symphoniker erwiesen sich dem Mahler'schen Klangkosmos nicht nur gewachsen, sie boten in allen Registern und Instrumentengruppen eine grandiose und pointierte Interpretation des Riesen-Opus. Als Besonderheit stand im dritten Satz - wie es Mahler gewünscht hatte - der erste Hornist beim großen Hornsolo vorne neben dem Dirigenten, bevor er zum furiosen Finale wieder im Orchester Platz nahm. Die beiden weiteren Festspiel-Orchesterkonzerte der Symphoniker dirigieren Vladimir Fedoseyev (29.7.) und Wayne Marshall (5.8.) (APA)