Graz - Was Erwachsenen kaum jemals einfallen würde, kommt bei Kindern öfter vor: Sie naschen von den schönen roten Beeren der Eibe und des Aronstabs, kosten die Früchte des Efeus, die kleinen Zapfen der Thuje oder probieren die niedlichen Samenkapseln des Pfaffenhütchens - und tragen im schlimmsten Fall eine schwere Vergiftung davon. Eine am Dienstag vorgestellte Broschüre der Stadt Graz gibt Rat, was im Ernstfall zu tun ist, und informiert, welche Pflanzen besonders giftig sind. Rund 150 der 3.000 heimischen Pflanzenarten sind giftig, das heißt, ihr Verzehr bzw. manchmal auch schon die äußere Einwirkung wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Während solche Pflanzen - wie zum Beispiel auch der Weihnachtsstern oder die Engelstrompete - für Erwachsene kaum ein Gefahrenpotenzial darstellen, können Kleinkinder den bunt leuchtenden Pflanzenteilen oft nicht widerstehen. Die neue Zivilschutzbroschüre informiert, welche Pflanzen besonders gefährlich sind und welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, wenn die Aufsichtspersonen die Sprösslinge beim Naschen ertappen bzw. sich gar schon die ersten Symptome einstellen. Bei Vergiftung - Viel Flüssigkeit Auf alle Fälle abzulehnen ist die Gabe von fett- oder alkoholhaltigen Getränken wie Milch oder Rizinusöl oder auch Kochsalzlösung, sagte Marija Trop von der Grazer Kinderklinik im Gespräch mit der APA. Ansonsten ist die Zufuhr größerer Flüssigkeitsmengen allerdings angebracht. Sollten erste Symptome - sie können von Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall (Stechpalme und Eibe) und Fieber (Efeu) bis zu Sehstörungen (Tollkirche) und Verätzungen im Mund sowie Herz-und Kreislaufstörungen (Seidelbast) führen - sollte die Behandlung dem Arzt vorbehalten bleiben. Hilfreich ist es jedoch, wenn das Pflanzenmaterial sichergestellt wird, damit es identifiziert werden und herausgefunden werden kann, welche Menge und welche Teile eingenommen wurden. Bereits erbrochener Mageninhalt sollte auf alle Fälle sichergestellt und dem Arzt zur Untersuchung gegeben werden. Ist das vergiftete Kind bei Bewusstsein und die Giftpflanze bekannt, gibt die Vergiftungszentrale in Wien unter Tel.: 01/ 406 43 43 Auskunft über die Gefahr und die richtigen Maßnahmen. Von übertriebener Vorsicht, die dazu führt, dass junge Eltern den ganzen Garten umgekrempeln und sämtliche mögliche Giftpflanzen entsorgen, hält die Kinderärztin allerdings nichts. Vielmehr rät sie den Eltern, die Kindern so früh wie möglich auf die Gefahren, die hinter dem Verzehr von Pflanzen lauern können, aufmerksam zu machen: "Dazu müssen die Eltern allerdings erst einmal selbst informiert sein", so Trop. Eine erste Möglichkeit dazu bietet der Folder, die im Zivilschutzreferat der Stadt Graz bestellt werden kann.(APA)