Einen Tag, nachdem für zwei weitere Beamte des Finanzamts Innsbruck die Handschellen geklickt hatten, wurden am Dienstag weitere Verhaftungen in dieser Woche nicht ausgeschlossen, sagte der Pressesprecher des Innsbrucker Landesgerichts, Hannes Seiser, der APA. Es gelte unter anderem zu klären, wie viele Klienten der zwei ins Visier der Ermittler geratenen Innsbrucker Steuerberatungskanzleien wissentlich in die Machenschaften involviert gewesen sind.Verflechtungen von Beamten, Steuerberatern und Klienten Die Affäre dürfte demnach eine Verflechtung von einigen Beamten des Innsbrucker Finanzamtes, Steuerberatern und deren Klienten gewesen sein. Die Finanzer sollen Steuerpflichtige an bestimmte Steuerberatungsfirmen vermittelt haben, bei denen sie selber "gepfuscht" haben oder bei denen sie Gelder für die Vermittlungen von "steuerschonenden Prüfungen" "eingestreift" haben, erklärte Seiser. Weiters könnten die Beamten den Steuerberatungsfirmen auch Termine für künftige Betriebsprüfungen im Vorhinein bekannt gegeben haben. Die Steuerberater dürften für die Vermittlung von Klienten an Finanzbeamte Provisionen für die Vermittlung bezahlt haben. "Anstiftung zum Amtsmissbrauch" Sollten sich die Verdächtigungen bestätigen, drohen den Steuerberatungskanzleien strafrechtliche Konsequenzen wegen "Beitragstäterschaft zur Abgabenhinterziehung" oder "Anstiftung zum Amtsmissbrauch". "Inwieweit die Klienten bewusst mitgewirkt haben, wissen wir derzeit noch nicht", betonte der Pressesprecher. Den Beamten wird Abgabenhinterziehung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Unterdessen herrsche angesichts der immer größer werdenden Aktenberge, die es zu prüfen gilt, Personalnotstand am Innsbrucker Landesgericht, wie Seiser bestätigte. "Es ist aussichtslos, einen weiteren Mitarbeiter zu bekommen, wir sind an der Grenze des Personals." Nur ein Untersuchungsrichter sowie ein Staatsanwalt seien hier mit den Ermittlungen sowie den Befragungen der verdächtigen Personen rund um die Finanzamts-Affäre betraut. Sieben Beamte in U-Haft, 200 Unternehmen werden geprüft Nachdem mittlerweile sieben Finanzer in Haft sind, müssten nun "zig Zeugen" und rund 200 Unternehmen in Tirol befragt und geprüft werden. Zudem gelte es, Zeiten und Termine einzuhalten. So müsse nach der 14-tägigen Haftpflicht sofort eine Haftprüfung erfolgen. Diese Personalknappheit "beschleunigt das Verfahren nicht gerade", sagte Seiser. Neben den beiden Innsbrucker Ermittlern sind auch Personen des Finanzamts sowie des Finanzministeriums mit der Causa beschäftigt - und prüfen derzeit "Unmengen" von Material, wie Staatsanwalt Rudolf Koll zuletzt erklärt hatte. Insgesamt waren bisher zwölf Finanzbeamte von ihrem Dienst suspendiert worden, davon befinden sich mittlerweile sieben in Haft. Allen zwölf Personen wird neben Abgabenhinterziehung auch Amtsmissbrauch vorgeworfen. Bei den zwölf ehemaligen Mitarbeitern des Finanzamtes handelt es sich um elf Betriebsprüfer sowie einen Leiter der Betriebsprüfungsabteilung. Inzwischen seien Voruntersuchungen gegen diese zwölf Beamten eingeleitet worden. (APA)