Wien - Die roten Personalvertreter in der Exekutive wollen streiken und setzen Fritz Neugebauer, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, gehörig unter Druck. Der Christgewerkschafter setzt nämlich auf Zeit und auf Gespräche, seine Zustimmung zu einem Streik hat er bereits einmal abgelehnt. Nun sind die Polizeigewerkschafter der sozialdemokratischen Fraktion aber mit einem Grundsatzbeschluss von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch ausgestattet, der sein Einverständnis zur Umsetzung gewerkschaftlicher Kampfmaßnahmen erteilt hat. Die drei SPÖ-dominierten Fachgewerkschaften Sicherheitswache, Kriminalpolizei und Verwaltung bedrängen Neugebauer mit Anträgen zu einer Entscheidung noch diese Woche. "Wir sind ganz klar für gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen", sagt Gottfried Haselmayer, Vorsitzender der Kriminalbeamtengewerkschaft und roter Fraktionsführer in der übergeordneten Exekutivgewerkschaft. Das grüne Licht des ÖGB ist allerdings nicht ausreichend, "es liegt am Vorsitzenden Neugebauer, er wird sich entscheiden müssen", sagt Haselmayer. "Derzeit ist unser Verhältnis von Spannungen geprägt." Es gebe "Ungereimtheiten". Streitpunkt der Polizeigewerkschafter mit Innenminister Ernst Strasser ist die bevorstehende Reform der Wiener Polizei. Die Personalvertreter fordern ein "Zurück an den Start" und lehnen die Reform zur Gänze ab. Strasser will sie aber ohne Kompromisse durchziehen. Der Plan: Die Bezirkskommissariate sollen von derzeit 23 auf 14 reduziert werden, die Kriminalpolizei soll auf nur mehr fünf Standorte aufgeteilt werden. Haselmayer: "Das kommt für uns nicht infrage." Franz Pail, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft, gibt sich nach außen hin verschlossen: "Einen Streik macht man, darüber redet man nicht." Derzeit sei man noch auf der Suche nach einem taktisch guten Zeitpunkt, der wohl im Herbst sein wird. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 24.7.2002)