Wien - Trotz gesunkenen Marktanteils bleibe Erdöl die wichtigste Energiequelle der Welt, eine Verdrängung durch Kohle, Erdgas oder andere Energieträger sei auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. "Was in zwanzig Jahren sein wird, können wir nicht sagen. Aber bis dorthin sind die Prognosen ziemlich eindeutig", sagte Paul J. Weston, Senior Energy Economist von BP, bei der Präsentation des jüngsten BP-Statistikhefts über die weltweiten Energiemärkte. Der Anteil von Erdöl am Weltenergiemarkt liegt seit 15 Jahren ziemlich stabil bei 40 Prozent; auf Kohle und Erdgas entfallen jeweils rund 25 Prozent, wobei der Anteil der Kohle in den vergangenen Jahren tendenziell gesunken und jener von Erdgas gestiegen ist. Atomenergie und Wasserkraft haben sich bei einem Marktanteil von jeweils rund sechs Prozent stabilisiert. An der starken Stellung von Erdöl im weltweiten Energiemix ändert auch die Tatsache nichts, dass der Verbrauch von Erdöl im Vorjahr leicht zurückgegangen ist - der erste Rückgang seit dem Jahr 1993. Der BP-Ökonom wies darauf hin, dass der Weltenergieverbrauch 2001 mit einem Plus von 0,3 Prozent insgesamt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von plus zwei Prozent geblieben ist. Erdöl für 40 Jahre Die schwache Energienachfrage, die auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres angehalten habe, führte Weston auf die weltweite wirtschaftliche Rezession zurück. Die Terroranschläge von New York und Washington im vergangenen September hätten sich zusätzlich negativ ausgewirkt. Vor allem bei Flugbenzin habe es dramatische Einbrüche gegeben. Auch der warme Winter in weiten Teilen der Welt habe die Energienachfrage gedrosselt. Einen höheren Energiekonsum erwartet der BP-Ökonom im dritten und vierten Quartal dieses Jahres. Keine Sorgen müsse man sich hinsichtlich der Erdölreserven machen. Die meisten gesicherten Reserven (siehe Grafik) gibt es im Nahen Osten mit 686 Mrd. Fass (zu 159 Liter). Die insgesamt entdeckten Reserven von mehr als einer Mrd. Fass sollten bei gleichbleibendem Verbrauch zumindest vierzig Jahre reichen. Atomkraft und Kohle waren im Vorjahr die Energieträger, die am stärksten zulegen konnten. In der Atomenergie war weltweit ein Verbrauchsanstieg um 2,8 Prozent zu verzeichnen, die Anzahl neu erbauter Atomkraftwerke war laut Weston die geringste seit mehr als 30 Jahren. Kohle-Verbrauch gestiegen Der Verbrauch an Kohle stieg 2001 im zweiten Jahr in Folge um 1,7 Prozent, was hauptsächlich auf den 5,4-prozentigen Verbrauchsanstieg in China zurückzuführen war. Das Reich der Mitte ist der größte Abnehmer von Kohle und steht für 23 Prozent des weltweiten Kohlebedarfs. Erstmals seit 1992 ist im Vorjahr die Nutzung von Wasserkraft zurückgegangen. Sie fiel um 3,7 Prozent. Ursachen waren lange Trockenperioden in wichtigen Wasserkraftländern wie USA, Brasilien und Kanada. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 24.7.2002)