Die heimischen Internetservice-Betreiber agieren derzeit in einem schwierigen Umfeld und kappen ihre Informationstechnologie-Budgets. Insolvenzen großer Netzbetreiber verunsichern zusätzlich. Mit Herbert Herdlicka, dem Vorstand der EUnet , der früheren KPNQwest Austria, sprach Johanna Ruzicka. Standard: Die österreichischen Provider haben bisher mit ihren Diensten bei den Unternehmen nicht recht Fuß fassen können. Warum? Herdlicka: Die Wirtschaft ist da sicher übervorsichtig. Wenn man Rechner auslagert, gibt man auch sensible Daten - zum Beispiel Personaldaten - aus der Hand. Das ist aber eine österreichische Paranoia. Die größten Security-Probleme liegen ja im Haus selbst. Bei den Mitarbeitern, besonders bei Exmitarbeitern. STANDARD: Wo sehen Sie die Zukunft für einen Provider wie EUnet, der ja sein internationales Geschäft nach der Insolvenz der Mutter, der niederländischen KPNQwest, hat kappen müssen? Herdlicka: Interessant wird für uns die Wartung der ganzen Office-Applikationen für Unternehmen, weil wir dann auch die ganze Lizenzen-Abrechnung - zum Beispiel mit Microsoft - für den Kunden durchführen. Auch sehe ich ein Geschäftsmodell darin, für Unternehmen mit mehreren österreichischen Standorten, die über ein Intranet verbunden sind, als Provider aufzutreten. STANDARD: Nun haben Sie aber durch die Loslösung von der KPNQwest keine direkte Anbindung an ein internationales Netz mehr. Herdlicka: Wir müssen derzeit lernen, dass wir nicht mehr Teil eines großen Unternehmens sind. Das ist aber eher eine Sache unserer Unternehmenskultur. Wir haben aber keinen Großkunden verloren. Allerdings haben sich nun viele Kunden vernünftigerweise einen zweiten Provider gesucht. Dass das notwendig ist, haben wir immer gesagt. Und das internationale Geschäft für Großkunden haben wir stillgelegt. STANDARD: Wie sehen Sie die Problematik nach dem Konkurs so großer, namhafter Netzwerkbetreiber wie KPN- Qwest und jetzt Worldcom? Herdlicka: Große internationale Kunden sind natürlich voll von solchen Entwicklungen betroffen. Denn die sind ja total abhängig vom Netzwerk und es geht nicht, alle Standorte doppelt anzubinden. Man muss da versuchen, sich Provider zu suchen, die über Doppel- und Dreifachverträge mit Netzwerkanbietern möglichst abgesichert sind. STANDARD: Noch immer, so wird gesagt, wird in der westlichen Welt zu viel an Glasfaserkabel vergraben. Wie wird sich da die Situation entwickeln? Herdlicka: Die zwanzig wichtigsten Städte Europas haben 50 bis 60 Glasfaserkabel liegen. Ausgelastet sind bloß ein, zwei Prozent. Und mit neuen Technologien, zum Beispiel dem optischen Multiplexing, lässt sich Glasfasertechnologie nochmals 250-mal besser auslasten. Das heißt, die Netzbetreiber, die in den letzten Jahren massiv investiert haben, sehen keinen Return on Invest. Da werden Investoren nachstoßen, die billig aufkaufen und dann ganz andere Gebührenstrukturen haben. STANDARD: Heißt das für Unternehmen, dass zukünftig Netzwerk-Dienstleistungen billiger werden? Herdlicka: Nicht unbedingt. Der Betrieb eines Netzwerkes ist ja nicht billiger geworden. (ruz - DER STANDARD Printausgabe, 23. Juli 2002)