London - Dutzende von Babys haben nach Auskunft des Fachmagazins "New Scientist" das Potenzmittel Viagra erhalten, um eine lebensbedrohliche Lungenerkrankung zu behandeln. Es gebe Hinweise darauf, dass Viagra bei Lungenhochdruck wirkt, teilte das Magazin am Dienstag mit. Die so genannte Hypertonie pulmonale (PHT) ist ein erhöhter Blutdruck in den Lungenarterien, der oft durch Herzfehler hervorgerufen wird. Zuletzt hatten laut "New Scientist" drei Neugeborene in Indien den Wirkstoff von Vigra, Sildenafil, bekommen. "Es war eine lebensbedrohliche Situation und als Arzt ist es meine Pflicht das Leben zu retten mit allem was mir zur Verfügung steht", sagte P. K. Rajiv vom Amrita Institute of Medical Sciences in Kochi. Er würde das Mittel aber nicht wieder geben, bis die indischen Behörden dies genehmigten. Ethiker lehnen die Behandlung nicht vollständig ab. Unter bestimmten Umständen sei es moralisch gerechtfertigt, neue Behandlungen auszuprobieren, und damit Leben zu retten. Das sagte Raanan Gillon, emeritierter Professor für Medizinethik am Imperial College in London laut "New Scientist". Der Arzt David Wessel vom Boston Children's Hospital erklärte dagegen: "Ich kann die Nutzung von Sildenafil außerhalb von sorgsam erstellten klinischen Studien nicht empfehlen." Laut "New Scientist" hat Wessel jedoch selber 14 Kindern ab einem Alter von sechs Wochen Viraga gegeben, um Lungenhochdruck zu behandeln. Ian Adatia vom Toronto's Hospital for Sick Children habe ebenfalls zehn Kinder mit Viagra behandelt, nach seinen Angaben mit ermutigendem Erfolg. Er werde an Studien des Viagra-Herstellers Pfizer teilnehmen, bei denen der Wirkstoff Sildenafil direkt in die Blutbahn gegeben werden solle. Pfizer habe eine entsprechende Studie mit Erwachsenen bestätigt. Pfizer hatte Sildenafil ursprünglich als Herzmittel entwickelt. Bei Studien zur Herzdurchblutung verursachte die Substanz bei vielen Männern jedoch Erektionen. (APA)