Washington/Havanna - Das US-Repräsentantenhaus beschloss Dienstag ein Ende des Reiseverbots für US-Bürger nach Kuba. Ein Senatskomitee stimmte vergangene Woche ebenfalls für ein Ende des Regelung. US-Präsident George W. Bush kündigte darauf hin an, er werde sein Veto gegen jede Änderung der Kubapolitik einlegen. Die einflussreiche Gemeinde der Exil-Kubaner in den USA sprach sich strikt gegen die Abschaffung des Reiseverbots aus.Das Repräsentantenhaus stimmte mit 262 zu 167 Stimmen für den Wegfall der Bestimmung. "Seit 42 Jahren verfolgen wir die gleiche, gescheiterte Politik", sagte der Republikaner Jeff Flake aus Arizona stellvertretend für viele Abgeordnete. Es stelle sich überhaupt die Frage, ob nicht die Zeit für eine Entscheidung für einen Wandel gekommen sei. US-Bürger brauchen zurzeit eine Sondererlaubnis für Reisen nach Kuba. Jedoch gelangen immer mehr Amerikaner über Drittstaaten nach Kuba. Im vergangenen Jahr reisten auf diese Weise schätzungsweise 176.000 US-Bürger auf die Karibikinsel. Ganz offiziell indes traf der Gouverneur des US-Bundesstaat Norddakota, John Hoeven, zu Beginn der Woche an der Spitze einer amerikanischen Wirtschaftsdelegation zu einem Besuch in Kuba ein. Gleich bei der Ankunft machte der nordamerikanische Politiker das Interesse seines Staates deutlich, in Kuba Agrarprodukte zu verkaufen. Der US-Kongress hatte Ende 2000 auf Druck der Agrarlobby das seit 40 Jahren bestehende Handelsembargo gegen die Karibikinsel gelockert und Lebensmittelexporte möglich gemacht. Ein Jahr später nach dem Hurrikan "Michelle", starteten die ersten Lieferungen. Seit Dezember 2001 hat Kuba nach Angaben der Staatsfirma Alimport US-Lebensmittel für 115 Millionen Dollar importiert. Präsident Bush machte dennoch immer klar, dass mit einer weiteren Lockerung des Handelsembargos vorerst nicht zu rechnen sei. In einer Rede am 20. Mai machte er die Aufhebung des Embargos und der Reisebeschränkungen für US-Bürger von freien Wahlen auf Kuba abhängig. Kubas Staatschef Fidel Castro ließ daraufhin den Volkskongress den Sozialismus per Verfassungsänderung für "unwiderruflich" erklären. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2002)