Wellington/Wien - In Neuseeland finden am kommenden Samstag Parlamentswahlen statt. Ministerpräsidentin Helen Clark (Labour) hatte im Juni vorgezogene Neuwahlen ausgerufen. Neuseeland wird derzeit von einer Mitte-Links-Regierung aus Labour Party (LP), der - laut Eigendefinition - "sozialdemokratischen Linkspartei" Allianz (Alliance Party) und Grünen regiert. Eine aktuelle Umfrage räumt der "Vereinten Zukunftspartei Neuseeland", die derzeit nur einen Sitz im Parlament hält, Gewinne ein. Sie könnte zum "Zünglein an der Waage" bei der Regierungsbildung werden, schrieb eine neuseeländische Tageszeitung vor der Wahl.Nationale in Lauerstellung Die regierende Labour Party kommt in der vom "New Zealand Herald" (Internet-Ausgabe vom Dienstag) vorgestellten Umfrage auf rund 41 Prozent, gefolgt von der rechts orientierten Nationalpartei (NP) mit 24 und der nationalistischen Partei "Neuseeland Zuerst" (New Zealand First Party) mit rund 10 Prozent. Die Grünen fallen demnach auf weniger als sieben Prozent zurück. Als "Überraschung" stuft "The New Zealand Herald" die guten Werte von Peter Dunnes "Vereinter Zukunft"-Partei (United Future) ein, die bisher ein einziges Mandat hatte und in Zukunft bis zu acht Abgeordnete im Parlament stellen könnte. Die aktuelle Umfrage zeige erstmals, dass eine Mitte-Rechts-Regierung möglich sei. Es bleibe abzuwarten, ob der Aufstieg von "Vereinte Zukunft" unter dem Labour-Dissidenten Dunne in der Umfrage bis zum Wahltag am Samstag anhalten werde, speziell angesichts der zu erwartenden verstärkten Fernsehberichterstattung über die zwei "wichtigsten" Parteien, schreibt das neuseeländische Blatt. Falls aber sowohl Labour als auch die Grünen schlechtere Werte erreichten, könnte der Wahlkampf "auf den Kopf gestellt" werden. Mit Hilfe der Partei der "Progressiven Koalition" und "United Future" bestünde für Labour allerdings die Chance, auch mit nur 40 Prozent der Stimmen in der Regierung zu bleiben. Dunne ist eine Option Ministerpräsidentin Clark hat laut "New Zealand Herald" bereits ihre Bereitschaft signalisiert, das ehemalige Labour-Mitglied Dunne als möglichen Koalitionspartner in Betracht zu ziehen. "Das ist eine Option, aber natürlich gibt es auch die starke Option einer Mehrheitskoalition in der Regierung", wird Clark zitiert. Neoparteichef Dunne, der in einer TV-Debatte sehr gut abschnitt und mit einem Labour-Sieg rechnet, zeigte sich zu einer Unterstützung Clarks bereit. Dunne sagte, er betrachte Umfragen sehr vorsichtig, sei aber erfreut über das Ergebnis. Der "New Zealand Herald" selbst weist darauf hin, dass die der Umfrage zu Grunde liegende Stichprobe mit nur 512 Befragten kleiner sei als üblich. Das erhöhe die mögliche Fehlerquote auf 4, 3 Prozent. Regierungschefin Clark zeigte sich trotz der zuletzt guten Werte für die Newcomer-Parteien auf Kosten von Labour zuversichtlich. Ihre Labour Party werde eher alleine regieren als mit der Anti-Einwanderungspartei "Neuseeland Zuerst" eine Koalition zu bilden, sagte sie im nationalen Rundfunk. "New Zealand First" hatte sich im Wahlkampf für Immigrationsbeschränkungen und ein Ende der Streitigkeiten um historische Ansprüche der eingeborenen Maori-Bevölkerung ausgesprochen. Langzeit-Parteichef Winston Peters erklärte, er schließe keine Option aus. "Die Wahrheit ist, dass die Neuseeländer einer Labour-Alleinregierung nicht mehr vertrauen." Hervorragende Wirtschaftslage Das neuseeländische Parlament in Wellington verfügt über 120 Sitze und wird üblicherweise alle drei Jahre gewählt. Labour hielt bisher 49, die Allianzpartei zehn und die Grünen sieben Mandate. Die Opposition war durch die Nationalpartei (NP) mit 39, die Partei "Act New Zealand" mit neun, "Neuseeland Zuerst" (NZFP) mit fünf und die "Vereinte Zukunft" mit einem Sitz vertreten. Regierungschefin Clark konnte dank einer guten Wirtschaftslage nach der Wahl 1999 viele Wahlversprechen in die Tat umsetzen, auch im Sozial- und Bildungsbereich. Seit der Einführung des Verhältniswahlrechts 1996 gab es immer Koalitionsregierungen. (APA)