München - Siemens hat wegen Schwierigkeiten in der Netzwerksparte (ICN) im abgelaufenen Quartal einen Ergebnisrückgang gegenüber dem Vorquartal verbucht, die Erwartungen der Analysten aber übertroffen. An der Börse gab's daraufhin am Mittwoch kein Halten mehr, die Aktien brachen zeitweise mehr als acht Prozent auf ein Jahrestief bei 46,01 Euro ein und beschleunigten die Talfahrt des Deutschen Aktienindex Dax.Das Konzernergebnis nach Steuern fiel im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2001/ 2002 (30. 9.) auf 725 Millionen Euro von 1,28 Mrd. EURO im Vorquartal (Vorjahr: minus 705 Mio. EURO ohne Sondereffekte), teilte Siemens mit. Der Umsatz ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 20,48 Mrd. EURO zurück, der Auftragseingang um 20 Prozent auf 19,03 Mrd. EURO. Analysten hatten mit einem Quartalsüberschuss von 439 Mio. EURO und einem Umsatz von 20,6 Mio. EURO gerechnet. Besserung nicht in Sicht Besserung ist nicht in Sicht: das Ergebnis des vierten Quartals werde voraussichtlich unter jenem des dritten liegen, hieß es. "Der Ausblick ist einfach schlecht", urteilte Analyst Frank Rothauge von Sal.Oppenheim. Nicht ausgestanden ist die Misere im Netzwerkgeschäft: Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger rechnet im vierten Quartal mit weiteren Restrukturierungskosten die "durchaus im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen könnten". Im dritten Quartal kostete die ICN-Sanierung rund 45 Mio. EURO. Insgesamt könnte man im zweiten Halbjahr aber weniger als die angekündigten 300 Mio. EURO brauchen, sagte Neubürger. Aufgefettet wird das vierte Quartal mit dem Verkauf der US-Tochter Unisphere, der einen außerordentlichen Ertrag von 400 Mio. EURO "verursacht". Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2000, am Höhepunkt des Internet-Hype, ging Siemens in den USA mit einer Milliarde Dollar auf Einkaufstour. Allein in das aus Internet- und Netzwerkfirmen zusammengestoppelte Konglomerat Unisphere wurden mehr als 600 Mio. Dollar gebuttert, geschätzte 400 Mio. Dollar (ein offizieller Preis wurde nie genannt, Anm.) flossen in die Netzwerkfirma Redstone. Nun bekommt Siemens vom Käufer Juniper Networks läppische 740 Mio. Dollar (803 Mio. EURO), davon 375 in bar, und hält zehn Prozent an Juniper. (Reuters, ung, DER STANDARD, Printausgabe 25.7.2002)