Japan: Am Tiefpunkt angekommene-fundresearch: Fumiko Roberts, Sie sind die Fondsmanagerin des SISF Japanese Equity Fund. In den letzten 12 Jahren war die Performance japanischer Aktien ziemlich miserabel. Warum also sollte man sein Geld gerade dort investieren? Fumiko Roberts: Was die nächsten 12 Monate anbelangt sind wir ziemlich optimistisch: Die japanische Konjunktur befindet sich in einer frühen Phase des Aufschwunges und die Bewertungen japanischer Aktien sind auch sehr günstig, wenn man sich die Kurs-Gewinn oder Kurs-Cashflow Verhältnisse ansieht. Wir sind am Tiefpunkt der konjunkturellen Entwicklung angekommen. e-fundresearch: Ihr Fonds hat sich in den letzten Jahren besser als die Benchmark entwickelt. Wie generiert man eigentlich Outperformance in einem so schwachen Markt wie Japan? Fumiko Roberts: Wir haben hier in London und auch in Japan große Ressourcen, auf die wir jederzeit zurückgreifen können. Seitdem wir 1974 unser Büro in Tokio eröffnet haben, konnten wir enormes Know-how aufbauen und haben viel Erfahrung gesammelt. Investmententscheidungen werden aufgrund interner Analysen getroffen und das hat sich in der Vergangenheit einfach bezahlt gemacht. Keine starke Konjunkturerholung in Sicht e-fundresearch: Was erwarten Sie nun für die japanische Konjunktur, wie geht es mit der Finanzkrise dort weiter und was passiert mit dem hohen Schuldenstand? Fumiko Roberts: Wie erwarten keine starke konjunkturelle Erholung in den nächsten drei Jahren – nur eine leichte Aufwärtsbewegung. Dieses Jahr rechnen wir mit einem realen BIP-Wachstum von 0,2 Prozent, 2003 dann mit 0,8 Prozent. Das Finanzsystem birgt noch immer große Risiken in sich: Das Problem der faulen Kredite wurde nicht gelöst und es wird noch lange dauern bis diese abgeschrieben sind. Der hohe Schuldenstand ist natürlich auch ein großes Hemmnis für die japanische Wirtschaft. Aktuell ist das Verhältnis Schulden/BIP bei 130 Prozent und wird nächstes Jahr laut OECD auf 150 Prozent anwachsen. Aber es gibt auch Positives e-fundresearch: Also keine allzu guten Nachrichten aus dem Land der aufgehenden Sonne. Wie sieht es mit Outsourcing von Produktionsvorgängen nach China aus? Wird sich das für Japan positiv oder negativ auswirken? Fumiko Roberts: Das ist positiv. Japanische Firmen können damit ihre Produktionskosten senken, wenn sie diese nach China verlegen. Das langfristige Risiko ist aber, das chinesische Firmen japanische Produkte und deren Technologie kopieren und somit mit Japan konkurrieren. Taiwan und Korea haben das im Halbleiterbereich ja schon getan. Generell werden die japanischen Firmen aber mehr davon profitieren. Ein weiterer positiver Faktor der für Japan spricht, sind die strikten Kostensenkungsprogramme die in den letzten Jahren durchgeführt wurden. Sobald das BIP-Wachstum wieder zunimmt, werden wir hier enorme Verbesserungen der Unternehmensgewinne sehen. e-fundresearch: Und wie geht es mit dem Yen weiter? Fumiko Roberts: Wir erwarten, dass der Yen sich in den nächsten Monaten nur wenig verändern wird – also auf seinem aktuellen Niveau von 120 Yen/USD verharrt. 12-Monats-Potential: 10-15 Prozent e-fundresearch: Japanische Aktien sind also sehr billig zur Zeit. Mit welchen Erträgen, und bei welchem Risiko, kann ein Investor rechnen, wenn er in japanische Aktien investieren kann? Fumiko Roberts: Das ist natürlich schwer zu sagen. Der japanische Markt wird in den nächsten 12 Monaten unserer Ansicht nach aber etwa 10-15 Prozent höher stehen als heute. Das größte Risiko ist eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums. Zykliker werden weiterhin aufgebaut e-fundresearch: Was bedeutet das jetzt für Ihren Fonds? Wie sieht das Portfolio zur Zeit aus und was planen Sie in nächster Zeit zu ändern? Fumiko Roberts: Mein Portfolio besteht vor allem aus zyklischen Werten, also Maschinenbauer und Handelsfirmen. In den nächsten Monaten werde ich damit fortfahren defensive Werte abzubauen und zyklische Werte aufzubauen. e-fundresearch: Könnten Sie uns bitte noch etwas über Ihre größten aktiven Positionen erzählen? Fumiko Roberts: Ricoh expandiert zur Zeit sehr erfolgreich in den amerikanischen Markt, deswegen haben wir diese Aktie auch übergewichtet. Das Unternehmen gewinnt schnell an Marktanteilen und ist weiterhin günstig bewertet. NTT DoCoMo hat jetzt erstmal ein gewisses Wachstumsniveau erreicht. Deshalb haben wir diese Firma auch relativ untergewichtet. e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch! Das gesamte Interview finden Sie als Windows Media Audio unter http://www.e-fundresearch.at/cgi-bin/show_article/1790