Salzburg - Unter dem Titel "Juden in Salzburg - Geschichte, Kultur, Schicksale" findet im Salzburger Museum Carolino Augusteum (SMCA) eine umfassende Ausstellung über das Leben der Juden in dieser Stadt. Die Ausstellung wird im Haupthaus des Museums am Museumsplatz 1 gezeigt und dauert bis zum 12. Jänner 2003. Die Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum in Wien ermöglicht zudem die Ausstellung wertvoller religiöser Exponate. Zur Ausstellungseröffnung wird die 82-jährige Bertha Reichenthal kommen, die in Salzburg geboren wurde und 1938 im Alter von 18 Jahren vor den Nazis nach England flüchten müsste. Seither lebt sie in Israel. Auf Einladung des SMCA und der Stadt hat Reichenthal eine Pressekonferenz gegeben, bei der sie sagte, sie begreife nach wie vor nicht, wie Deutsche so grausam sein konnten. Auch 64 Jahre nach 1938 lebe sie mit einer Angst, die sie wohl ihr Leben lang nicht mehr verlassen werden. "Heute fühle ich, dass Euch (die Salzburger, Anm.) das damals Geschehene leid tut. Auch wenn Österreich deutlich später begonnen hat als Deutschland, sich dem historischen Unrecht zu stellen: Es ist nie zu spät für Versöhnung." Das Leben der Bertha Reichenthal Reichenthals Familie lebte von 1918 bis 1938 in der Elisabethstraße, ihr Vater war Schuster, auch ihr Onkel betrieb ein kleines Geschäft, bevor die Familie emigrieren musste. Sie will in Salzburg neben der Ausstellung im SMCA vor allem jenen Hinterhof besuchen, in dem sie als Kind gespielt und eine glückliche Kindheit verbracht hatte, bevor die nationalsozialistische Katastrophe über ihre Familie und ganz Europa hereinbrach. Der historische Bogen der Ausstellung "Juden in Salzburg" spannt sich von der Ansiedlung von Juden im Mittelalter, den ersten Pogromen und der Ausweisung durch Erzbischof Leonhard von Keutschach 1498, der Aufhebung dieses Edikts durch das Staatsgrundgesetz von 1867, der neuen jüdischen Gemeinde in der liberalen Ära der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur nationalsozialistischen Vertreibung und schließlich dem neuen jüdischen Leben nach dem Zweiten Weltkrieg. Dargestellt werden auch kulturelle und wirtschaftliche Leistungen von Juden in Salzburg und das persönliche Schicksal von Vertriebenen. Ein Schwerpunkt ist jüdischen Künstlern bei den Salzburger Festspielen gewidmet.