Wien - Mehr als vier Jahre hat es gedauert, aber das lange Warten hat sich gelohnt: Die Türen für eine österreichisch- italienische Milchzusammenarbeit haben sich weit geöffnet, nur noch die Kartellbehörde muss dem Einkauf der italienischen Parmalat bei der niederösterreichischen Nöm zustimmen. Damit hat die italienische Großmolkerei einen wichtigen Schritt zur Aufbereitung des österreichischen und mittelbar auch des deutschen Marktes getan. Für die Nöm steht Italien offen, außerdem werden Parmalat-Produkte auch in Österreich hergestellt werden. Nöm soll weiters das Innovationszentrum für Zentral- und Osteuropa werden.So zugeknöpft sich die Parmalat-Zentrale gibt, so freudig zeigt sich Gerhard Schützner, vor fünf Jahren als Sanierer zur damals maroden Nöm gekommen: "Herr Tanzi freut sich auf die Zusammenarbeit mit uns." Calisto Tanzi (siehe unten) wollte die Nöm bereits vor vier Jahren kaufen. Damals schwirrten Verkaufszahlen von umgerechnet 51 Mio. Euro für die gesamte Nöm herum. Heute ist es teurer - dem Vernehmen nach: Denn die 25 Prozent Anteile ließen sich die Italiener Insidern zufolge 30 Mio. Euro kosten. Aus dem Mailänder Pressebüro hieß es lediglich: kein Kommentar. Vorzug vor Danone Doch die Italiener bekamen von den Nöm-Eignern aus drei Gründen den Vorzug vor dem französischen Riesen Danone: wegen des gebotenen Preises, der Standortgarantie und der Abnahmegarantie für die heimischen Milchbauern. Der Fortbestand des Standortes in Baden wird auf zehn Jahre zugesichert, bestätigt Raiffeisen-Holding-Boss und Chefverhandler Erwin Hameseder: "Es steht überhaupt kein Standort zur Debatte." In der Garantie explizit erwähnt ist aber nur der Großbetrieb Baden, nicht aber die kleineren in Zwettl und Habersdorf in der Steiermark. "Semperit und Traiskirchen war für uns schon eine Warnung. Für solche Entscheidungen gibt es in unseren Verträgen aber eindeutige Einstimmigkeitserfordernisse." Raiffeisen habe zwar immerhin noch die Mehrheit, das könnte sich aber nach 2003 zugunsten der Italiener ändern. "Bedauerlich, dass es nicht zu einer österreichischen Milchlösung gekommen ist", so Dieter Bockhorn, Sprecher der oberösterreichischen Berglandmilch, zu der die Nöm seit Jahren ein delikat- problematisches Verhältnis hat. Bockhorn wie Schützner betonen aber: Bei Produktion und Logistik könne man weiter "sinnvolle Lösungen" finden. Gerhard Popp, Sprecher des Landwirtschaftsministers, sagt zum Parmalat-Einstieg: "Das ist eine Lösung, die der Eigentümer in Absprache mit den Bauern getroffen hat. Das ist zu akzeptieren." (Esther Mitterstieler, Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 26.7.2002)