Brüssel/Wien - Nach dem Bericht der "Drei Weisen" im September 2000 griff die Normalisierung zwischen den EU- 14 und Österreich rasch um sich. Auch die höheren Repräsentanten der österreichischen Republik wurden in den EU-Staaten immer seltener Opfer von "Sanktionen". In den Brüsseler EU-Institutionen war das gedeihliche Zusammenleben von der Beamten- bis zur Botschafterebene auch schon vorher kaum gestört worden. Heute ist die Situation auf EU-Ebene für alle Vertreter Österreichs unproblematisch, nur in einigen EU-Hauptstädten sind die FPÖ-Minister noch immer nicht gerne gesehen. Dass Mitglieder der schwarz-blauen Regierung gleichberechtigt an Ministerräten teilnehmen, war nie infrage gestanden - nur Händeschütteln vor Kameras wollten viele EU-Kollegen nicht. Doch anders als während der "Sanktionen" hat kaum noch ein Minister ein Problem, den österreichischen Kollegen am Rande der Verhandlungen anzusprechen. Insgesamt scheint von den "Sanktionen" in der EU nur ein schaler Nachgeschmack geblieben zu sein. Mit der Reform des EU-Vertrags im Dezember 2000 in Nizza hatten die Unionsstaaten das Problem juristisch bewältigt. Politisch hat es sich durch den Einfluss rechtspopulistischer Parteien auf die Regierungen in Italien, Dänemark, Portugal und den Niederlanden weitgehend relativiert. Unter den FPÖ-Ministern tut sich auf dem EU-Parkett Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit seinen Kollegen am leichtesten. Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer musste im vergangenen Sommer im Tross von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner anreisen, um bei EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio Gehör zu finden. Im Übrigen zeigt sich die FPÖ-Chefin nicht gerade oft im Ausland - wenn man von einer USA-Reise und dem Besuch eines Fußballspiels in Israel absieht, wo sie nur von dem Knesset-Abgeordneten Roman Bronfman empfangen wurde. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder mied sie bei seiner Wien-Visite im Mai 2001. Dass eine FPÖ-Mitgliedschaft die Sachpolitik aber auch bilateral nicht mehr behindert, zeigte zuletzt der kleine Transitgipfel, den Infrastrukturminister Mathias Reichhold in Berlin mit seinen deutschen, italienischen und griechischen Kollegen organisieren konnte. Normalisiert haben sich auch die Beziehungen zu Argentinien. Botschafter Juan Carlos Kreckler war unmittelbar nach der Regierungsangelobung abberufen worden - er hatte Haider als Demokraten bezeichnet. Die Beziehungen zu Österreich wurden auf eine "technische Ebene" herabgestuft. Im November 2000 wurde mit Gustavo Eduardo Figueroa aber ein neuer Botschafter geschickt - der sich nicht mehr zu Haider äußerte.(Jörg Wojahn, Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2002)