In der Karibik hat unlängst zwar die Hurrikansaison begonnen, zwischen Kuba und einem großen Teil des politischen Establishments in Washington stehen die Zeichen derzeit allerdings nicht auf Sturm. Im Gegenteil: Das Repräsentantenhaus hat die Abschaffung des Verbots von Direktreisen von den USA nach Kuba beschlossen. Auch ein Senatsausschuss hat der mehr als vernünftigen Maßnahme zugestimmt - reisen doch Tausende US-Bürger schon jetzt über Kanada und vor allem Mexiko ins Land des ewigen Sozialismus.

Präsident Bush will den Beschluss dennoch mit einem Veto verhindern - obwohl er gleichzeitig etwa auch den umstrittenen Helms-Burton-Act blockiert, der Drittstaaten den Handel mit Kuba untersagt, obwohl er das im Jahr 2000 gelockerte Handelsembargo gegen Kuba nicht wieder verschärft hat, und obwohl die Emissäre der US-Agrarindustrie in Havanna bereits das Marktterrain sondieren. Auch deswegen ist anzunehmen, dass der Präsident ebenfalls weiß, was ein Kongressabgeordneter seiner Partei jetzt offen ausspricht: "Seit 42 Jahren verfolgen wir die gleiche, gescheiterte Politik."

Für die US-Außenpolitik trifft das allemal zu. Innenpolitisch tut Bush das, was noch jeder Präsident, der vor wichtigen Wahlen steht, getan hat: Er versucht, die einflussreichen Exilkubaner nicht zu verärgern. Im Herbst stehen nicht nur die Midterm-Wahlen für Senat und Kongress an, auch Bushs Bruder Jeb bewirbt sich erneut um den Gouverneursposten für den Bundesstaat Florida - ohne die Stimmen der Exilkubaner kann Jeb Bush seine Wiederwahl vergessen.

"Bring mir Florida", sagte George W. Bush zu seinem jüngeren Bruder vor seiner Wahl. Knapp, aber doch bekam der spätere Präsident Florida. Jetzt bringt er Jeb Bush Florida zurück - auch wenn es dabei gilt, eine verfehlte, gescheiterte Kubapolitik über Jahre fortzusetzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2002)