München - Zu den jüngsten Aussagen des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Österreich, die nach dem FPÖ-Regierungseintritt Anfang 2000 von Israel herabgestuft wurden, schreibt am Donnerstag die "Süddeutsche Zeitung" in einem Kommentar unter dem Titel "Wiener Seifen-Diplomatie": "Nicht einmal Österreichs Freiheitliche sind so eingebildet, dass sie die grassierenden Wahlerfolge rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien in Europa als allein ihr Verdienst verbuchen würden, auch wenn sich Schattenparteichef Jörg Haider neuerdings als Führer einer gesamteuropäischen Rechten empfiehlt. Dennoch hat der Wiener Tabubruch funktioniert: Die Aufwertung der FPÖ durch Volksparteichef Wolfgang Schüssel zur Regierungspartei hat rundum zumindest sittenbildend gewirkt. Rückkehr eines israelischen Botschafters nach Wien in Aussicht stellt Auch Israels Regierung muss das zur Kenntnis nehmen. Wenn Premier Ariel Sharon die Rückkehr eines israelischen Botschafters nach Wien in Aussicht stellt, ist das jedoch kein Freispruch: Es ist lediglich das Eingeständnis, dass Isolationspolitik in einem rechtsdriftenden Europa nichts bringt, zumal sich Israel durch eigene Taten zunehmend selbst isoliert. Sharon macht klar, dass es ihm um die Stärkung der Demokraten und jener Österreicher geht, die gegen Nationalismus und Antisemitismus eintreten. Die FPÖ gehört sicher nicht dazu. Auch nicht immer des Bundeskanzlers ÖVP, deren Taktik es ist, gezielte Verstöße des Koalitionspartners FPÖ gegen den politischen Anstand grundsätzlich zu ignorieren, als gäbe es sie gar nicht. Die beleidigte Unschuld Es mutet seltsam an, dass sich Außenministerin Benita Ferrero-Waldner just in dem Augenblick ziert, da die Normalisierung der Beziehungen zum Greifen nahe scheint: Wie die beleidigte Unschuld macht sie das allein zur Sache der Israelis, sie und ihre Regierung hätten ohnehin schon alles Menschenmögliche getan, um das Verhältnis positiv zu gestalten. Sharon hat Wien ein Stück Seife angeboten. Waschen muss sich die dortige Regierung schon selbst." (APA)