Wien - In der bayerischen HypoVereinsbank (HVB) ist das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr 2002 um 78,5 Prozent eingebrochen. Mit einem Rückgang des Betriebsgewinns um "nur" knapp 30 Prozent kam die Tochter Bank Austria/Creditanstalt (BA/CA) in ihrer eigenen Teilkonzernbilanz davon. Die Creditanstalt geht am 12. August in der Bank Austria auf. Am vorigen Wochenende durchlief die fusionierte EDV erste Testläufe. Bank Austria-Chef Gerhard Randa kündigte heute an, "jetzt in die Offensive" zu gehen. Die nachhaltige negative Börselage, nach wie vor schwache Konjunktur und um 10,8 Prozent aufgestockte Kreditvorsorgen brachten - wie den meisten anderen europäischen Banken - auch BA/CA einen Gewinneinbruch und damit zunächst weiter rückläufige Rendite-Daten. Betriebsergebnis der BA/CA bei 192 Millionen Euro Per Ende Juni 2002 lag das Betriebsergebnis der BA/CA bei 192 Mill. Euro, was gegenüber dem Vorjahreswert (2001: 273 Mill. Euro) einen Rückgang um 29,5 Prozent bedeutete. Bei deutlich höheren Abschreibungen auf Firmenwerte habe sich zugleich das Finanzanlageergebnis auf 41 Mill. Euro (2001: 20 Mill. Euro) verdoppelt. Damit betrug das EGT bzw. der Gewinn vor Steuern 201 Mill. Euro - er lag damit um 27,2 Prozent unter dem ersten Halbjahr 2001 (276 Mill. Euro). Der Zinsüberschuss lag im Halbjahr (vor Risiko) mit 1,183 Mrd. Euro um 0,9 Prozent unter dem Vorjahreswert (2001: 1,194 Mrd. Euro), nach Risiko blieb der Zinsüberschuss jedoch um 4,7 Prozent zurück. Die Kreditrisikovorsorgen stiegen gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 um 10,8 Prozent auf 320 Mill. Euro (2001: 289 Millionen Euro) an. Sie lagen aber unter der rechnerischen Hälfte des Vorjahres von 352 Mill. Euro, wie die BA/CA am Donnerstag berichtete. Für das Gesamtjahr wird gegenüber dem Vorjahr eine "spürbare Reduktion der Kreditrisikoaufwendungen" erwartet. Polen verhagelte Ost-Ergebnis In den Osteuropa-Töchtern, langjährige Cash Cows der Bank Austria-CA-Gruppe, haben im ersten Halbjahr 2002 die einmaligen Fusionsaufwendungen für die großen Polen-Töchter und Kursverluste in diesem Land tiefe Spuren hinterlassen. Bis Ende Juni lag das Ergebnis vor Steuern in CEE mit 34 Mill. Euro um 57,5 Prozent unter dem Halbjahreswert 2001. Die Eigenkapitalrentabilität hat sich in der Region von 24 auf 9 Prozent verschlechtert. Unverändert bei 70 Mill. Euro lagen die Kreditvorsorgen im Osten. Bank Austria-Generaldirektor Gerhard Randa sprach heute für Osteuropa allerdings von einem "Zwischenbild", im Gesamtjahr sollte sich die Rentabilität wieder auf 15 Prozent verbessern. Im Halbjahr standen auch höhere Firmenwertabschreibungen nach Akquisitionen zu Buche. In Osteuropa habe sich die Bilanzsumme in den letzten 5 Jahren auf mehr als 26 Mrd. Euro fast verzehnfacht. Bis 2005 soll das Volumen hier auf 40 Mrd. Euro steigen, durch organisches Wachstum wie durch weitere Zukäufe. "Flussrechnung" Mit dem Halbjahresergebnis lieferte die BA/CA Gruppe am Donnerstag gleich die "Flussrechnung" in die Ergebnisse der HVB Group (Geschäftsfeldrechnung) mit: Die 201 Mill. Euro Vorsteuergewinn der BA/CA würden zunächst durch Firmenwertabschreibungen und Refinanzierungskosten sowie andere "Konsolidierungseffekte" reduziert. Somit verblieben 58 Mill. Euro. Dieser Betrag werde dann den Geschäftsfeldern der HVB Group zugeteilt - dem Geschäftsfeld Österreich und CEE 14 Mill. Euro, Corporates & Markets 27 Mill. Euro, Wealth Management 13 Mill. Euro, Sonstige 4 Mill. Euro. Keine Beschlüsse für weiteren Stellenabbau Der Vorstandschef der bayerischen HVB, Albrecht Schmidt, hat am Donnerstag bei seiner Halbjahresbilanzpressekonferenz weitere Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen. Für den von Bank Austria-Generaldirektor Gerhard Randa verantworteten HVB-Geschäftsbereich Österreich-Osteuropa gebe es dazu keine Beschlüsse, wie Randa auf Anfrage fest hielt. Die Bank Austria-Creditanstalt hat heute insgesamt rund 35.000 Beschäftigte, davon mehr als 22.500 in Zentral/Osteuropa, inklusive der letzten Neuerwerbungen Splitska Banka/Kroatien und Biochim/Bularien. In Österreich beschäftigt die Bank Austria-Creditanstalt-Gruppe zur Zeit mehr als 12.000 Mitarbeiter, ihre Zahl soll bis 2004 auf rund 11.500 sinken. Im August 2002 werden Bank Austria und Creditanstalt endgültig fusioniert. Im Jahr 1991 hatten die drei ehemaligen Einzel-Banken "Z", "Länderbank" und "CA" zusammengefasst im Inland noch knapp 18.000 Leute, Anfang 1997 - als die CA zur aus Z und Länderbank entstandenen Bank Austria stieß - waren es 15.000 gewesen. (APA)