Jerusalem - Israel verzichtet nach einem Rundfunkbericht auf seine Bedingungen für die Freigabe eingefrorener Gelder, die vertragsgemäß den Palästinensern zustehen. Die Regierung von Ministerpräsident Ariel Sharon beharre nicht mehr auf einem internationalen Kontrollmechanismus, bevor sie die rund 400 Millionen Dollar (knapp 403 Millionen Euro) an die Autonomiebehörde zurückzahle, berichtete der israelische Militärrundfunk am Donnerstag. Die Tageszeitung "Haaretz" berichtet, der Verzicht Israels auf die internationale Überwachung sei auf "sehr starken Druck" aus Washington erfolgt. Die US-Regierung habe Israel gedrängt, die Lebensbedingungen für die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten zu erleichtern. Zuvor hatte Sharon die Einsetzung von israelischen, palästinensischen und US-Experten gefordert, die die Verwendung der Gelder überwachen sollten. Der israelische Außenminister Shimon Peres bestätigte den Rundfunkbericht indirekt. Er kündigte die Freigabe von zunächst 42 Millionen Dollar in drei Tranchen an, ohne Kontrollen zu erwähnen. Die Regierung habe beschlossen, dem neuen palästinensischen Finanzminister Salam Fayed "seine Chance" zu geben, damit er seine Bilanzen "in Ordnung" bringen könne. "Danach werden wir sehen, wie das Geld benutzt werden wird", fügte Peres hinzu. Eine erste Tranche von 14 Millionen Dollar soll dem Rundfunk zufolge Anfang kommender Woche ausgezahlt werden. Die eingefrorenen Gelder stammen aus israelischen Schutzzöllen sowie aus der Einkommenssteuer, die in Israel beschäftigte Palästinenser zahlen müssen. Nach dem Oslo-Abkommen von 1993 ist Israel verpflichtet, diese Zahlungen an die Autonomiebehörde abzuführen. Sie werden seit Beginn der Intifada im September 2000 zurückgehalten. Nach palästinensischen Angaben beträgt die aufgelaufene Gesamtsumme inzwischen etwa eine Milliarde Dollar. (APA)