Wien - Über angebliche Privilegienritter bei der Post empört sich die FPÖ angesichts eines Rechnungshof-Rohberichts. Klubobmann Peter Westenthaler forderte SPÖ und ÖVP auf, den "rot-schwarzen" Betriebsräten "das Handwerk zu legen" und verlangte den Rücktritt sämtlicher Personalvertreter sowie der Postführung. Konkret sprach Westenthaler von einer "unglaublichen Geldschleudermaschine", die 7,2 Millionen Euro verschlungen habe, wobei er die Auszahlung von Zulagen, Aufenthaltsentschädigungen, Reisekosten, Belohnungen und Jubiläumsgeldern kritisierte. Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz sprach von einem Ablenkungsmanöver der FPÖ von der Causa Gaugg und Postsprecher Michael Homola verwies darauf, dass es keinerlei Rechtswidrigkeiten gebe. SPÖ-Abgeordneter Günther Kräuter bezeichnete die Vorwürfe Westenthalers als "unhaltbar". Außerdem sei die Weitergabe von Rechnungshof-Rohberichten an die Öffentlichkeit "demokratiepolitisch höchst bedenklich". Der Grüne Vorsitzende des Rechnungshofausschusses, Werner Kogler, sprach sich für eine seriöse und lückenlose Aufklärung der Vorwürfe über Privilegien innerhalb der Post aus, wandte sich aber gegen "hysterische Wadelbeisserei". Jedenfalls werde er sowohl den Postvorstand als auch die Personalvertretung ebenso wie Westenthaler vor den RH-Ausschuss laden. Westenthaler meinte, es gebe ein "ganzes Heer von Privilegienrittern" bei der Post, die sich zwar Betriebsräte nennen würden, aber in Wirklichkeit sich vom Postmanagement mit üppigen Privilegien ausstatten ließen. Über Jahre hinweg hätten diese so genannten Betriebsräte sich wie in einem Selbstbedienungsladen benommen und offenbar mit der Unternehmensführung fest "gepackelt", um sich schöne Privilegien zu sichern. So hätten die "rot-schwarzen Betriebsräte" insgesamt 2,9 Millionen Euro an Bezügen als freigestellte Personalvertreter bzw. rund drei Millionen Euro an Zulagen, Aufenthaltsentschädigungen, Reisekosten, sogenannten Geldaushilfen, Belohnungen, Jubiläumsgelder sowie "weitere gesetzwidrigen Pauschalen" kassiert, so Westenthaler. Fritz meinte dazu, Westenthaler stehe offenbar wegen der Causa Gaugg "mit dem Rücken zur Wand". Und wer entscheiden könne, ob ein Betriebsrat zurücktrete oder nicht, seien "die Leute, die uns gewählt haben. Nicht der Herr Westenthaler, der ist für uns nicht wahlberechtigt". Fritz konnte auch die vom FP-Klubchef genannten Zahlen nicht nachvollziehen. "Ich habe meinen aktuellen Gehaltszettel vor mir liegen. Ich kriege 2.126,82 Euro netto. Und zwar inklusive allem drum und dran". Homola wies die Vorwürfe Westenthalers ebenfalls zurück. Für Rücktritte gebe es keinerlei Veranlassung, weil auch keinerlei Rechtswidrigkeit vorliege. Und die von Westenthaler angeführten drei Millionen Euro für Zulagen, Reisekosten oder Jubiläumsgelder usw. seien "die Summe aus fünf Jahren". (APA)