Beidaihe - Unter großer Geheimhaltung ist die Führungsspitze der chinesischen Kommunisten zu ihrer traditionellen Klausurtagung im Badeort Beidaihe zusammengekommen. Politische Beobachter in Peking interpretierten die am Mittwochabend von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gemeldete Ankunft von Parlamentspräsident Li Peng in dem Prominenten-Ferienort 200 Kilometer östlich von Peking als Zeichen für den Beginn der mit Spannung erwarteten Politbüro-Beratungen. Über die Anwesenheit von Staats- und Parteichef Jiang Zemin und anderen hohen Politikern gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Augenzeugen berichteten, dass die Polizei die Straßen in dem Ort für große Wagenkolonnen gesperrt habe. Im Mittelpunkt der Beratungen steht die Vorbereitung des nächsten Parteitags im kommenden Herbst. Die Spekulationen konzentrieren sich auf die Frage, ob Jiang Zemin seine drei Führungspositionen - Staatspräsident, KP-Generalsekretär und Vorsitzender der Militärkommission - abgeben wird. Nach Informationen aus Parteikreisen will Jiang an mindestens einem seiner Posten festhalten. Als sicher gilt, dass Vizepräsident Hu Jintao bei der ersten Session des neu zu wählenden Parlaments (Nationaler Volkskongress) im März nächsten Jahres an die Staatsspitze aufrücken wird. Um die Bevölkerung auf die weitere Präsenz des derzeitigen Präsidenten im politischen Leben vorzubereiten, wird Jiang seit mehr als einem Jahr von der Parteipropaganda als großer Staatsmann inszeniert. Seine politischen Theorien werden mit denen Mao Zedongs und Deng Xiaopings verglichen.(APA/Reuters)