Den Haag - Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hat vor dem UNO-Tribunal in Den Haag erneut die Berufung eines Anwalts zu seiner Verteidigung im Kriegsverbrecherprozess abgelehnt. Vor dem Tribunal, das er nicht anerkenne, verteidige er sich weiter allein gegen die Anklagen, die er als "Farce" ansehe, sagte der Angeklagte am Donnerstag. Das Gericht hatte zuvor auf ein ärztliches Gutachten verwiesen, das wegen des angegriffenen Gesundheitszustands von Milosevic für eine Erleichterung seiner Arbeitsbelastung plädiert hatte. Das Gutachten war nach zwei mehrwöchigen Erkrankungen des Ex-Präsidenten in den letzten Monaten vom Gericht beantragt worden. Vor zwei Wochen war zudem das Verfahren wegen Bluthochdrucks für zwei Tage unterbrochen worden. Milosevic muss sich seit 12. Februar wegen Verbrechen im Kosovo (1999) verantworten. Von September an soll auch über Anklagen gegen Milosevic wegen Verbrechen in Kroatien und Bosnien (1991 bis 1995) verhandelt werden. "Das hier hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun", wetterte Milosevic. Er kritisierte, dass ihm die Anklage nicht genug Zeit für seine Verteidigung lasse. Sie habe ihm Dokumente mit zusammen 90.000 Seiten und 500 Videokassetten gebracht, damit er sich auf den zweiten Teil des Verfahrens gegen ihn vorbereite, während der Prozess um die Kosovo-Anklage noch laufe. Um allein den Text nur einmal zu lesen, brauche man 365 Tage, hielt er dem Gericht vor. Da habe er noch keine Zeit gehabt, mit freiwilligen Helfern per Telefon Einzelheiten seiner Verteidigung zu erörtern. (APA/dpa)