Innsbruck - Nachdem am Donnerstag im Zusammenhang mit dem Innsbrucker Finanzamt-Skandal die mittlerweile achte Verhaftung erfolgt ist, wird am Freitag die Haftprüfung von zwei Finanzbeamten am Landesgericht stattfinden. Es handelt sich dabei um jene Männer, die bereits seit Juni in U-Haft sitzen, weil sie für den ehemaligen FC Tirol-Manager Robert Hochstaffl die Bilanzlegung und die anschließende Finanzprüfung durchgeführt haben sollen. Erst diese Verhaftungen hatten die umfangreichen Ermittlungen ausgelöst.Freilassung unwahrscheinlich Bei dieser zweiten Haftprüfung wird der zuständige U-Richter Norbert Hofer erneut darüber entscheiden, ob die beiden freikommen oder weiterhin in Haft bleiben müssen. "Angesichts des Umfeldes und der Umstände ist es aber eher unwahrscheinlich, dass die Haft aufgehoben wird", sagte der Landesgericht-Pressesprecher Hannes Seiser. Von keinem der acht Betroffenen gebe es bislang "umfassende Geständnisse", sie hätten sich nur "recht zurückhaltend" zu den Vorwürfen geäußert, sagte Seiser. Abgebenhinterziehung und Amtsmissbrauch Alle acht inzwischen inhaftierten Beamten waren bereits im Vorfeld, gemeinsam mit vier weiteren Mitarbeitern, von ihrem Dienst suspendiert worden. Ihnen wird Abgabenhinterziehung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Gegen die vier Finanzbeamten, die vorerst noch frei sind, "liegen derzeit noch keine Haftgründe vor", sagte Seiser. Es sei aber nicht auszuschließen, dass von Seiten der Staatsanwaltschaft noch ein Haftantrag gestellt werde. Die Einleitung weiterer gerichtlicher Erhebungen gegen andere Finanzbeamte könnten zudem erfolgen, formulierte Staatsanwalt Rudolf Koll. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand seien diese aber momentan "eher nicht wahrscheinlich". 11 Betriebsprüfer und deren Leiter Bei den zwölf Suspendierten handelt es sich um elf Betriebsprüfer sowie den Leiter der Betriebsprüfungsabteilung, Hofrat Arno R. Alle elf Bediensteten waren diesem Leiter untergeben, der laut Koll sicherlich den "Überblick über die anderen gehabt hat". Dem Hofrat werden zwei Vorwürfe angelastet. Einerseits soll er den Finanzbeamten Anweisungen gegeben haben, bestimmte Firmen steuerschonend zu prüfen. Andererseits dürfte er auch Zuteilungslisten dahingehend verändert haben, dass einer der elf Beamten spezielle Prüfungsfälle übernimmt, erklärte Seiser. Für Koll stehe fest, dass einige der Beamten zusätzliche Gelder für die manipulierten Prüfungen eingesteckt haben. Da alle "erfahrene und gestandene Finanzleute" waren, die schon lange im Amt arbeiteten, könne angenommen werden, dass sie nicht in die Machenschaften "hineingeschlittert" seien. "Wir gehen davon aus, dass die Zwölf sich selber bemüht haben, bestimmte Fälle zu bekommen oder ihnen diese aus bestimmten Gründen zugewiesen worden sind", meinte der Staatsanwalt. In der betroffenen Abteilung hätten sicherlich eindeutige Absprachen und Einteilungen stattgefunden - und das bestimmt über "mehrere Jahre". Die Finanzer hätten aber nicht aus Freundschaft zu bestimmten Unternehmern so gehandelt (Koll: "Hier ist mir kein Fall bekannt"), sondern: "Aus meiner Sicht ist Geld ein schönes Motiv", sagte Koll. (APA)