Kabul - Die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) ist nach eigenen Angaben zu spät über den Anschlag auf den afghanischen Vizepräsidenten Hadschi Abdul Kadir informiert worden, um die Täter verfolgen zu können. Die ISAF sei erst 90 Minuten nach dem Attentat alarmiert worden, sagte ISAF-Oberbefehlshaber General Zorlu am Donnerstag in Kabul. Wäre der Anruf innerhalb von zwei Minuten eingegangen, hätten die internationalen Truppen seiner Einschätzung nach die Täter vermutlich fassen können. Es seien "sehr viele Einheiten in der Stadt" gewesen, betonte Zorlu. Der Vorfall zeige, dass es für ranghohe Persönlichkeiten in Afghanistan kein Schutzsystem gebe. Zorlu hatte zuvor die Verlängerung des ISAF-Mandats gefordert. Dies sei nötig, um die Arbeit der afghanischen Regierung zu unterstützen. Der Vizepräsident und Infrastrukturminister Kadir war am 6. Juli vor seinem Büro erschossen worden. Bisher wurden nach Angaben der ISAF 15 Verdächtige festgenommen. Die Internationale Schutztruppe fahndet gemeinsam mit der afghanischen Regierung nach den Tätern. Afghanistan bemüht sich um einen besseren Schutz ranghoher Regierungsmitglieder. Die Regierung in Kabul arbeite derzeit gemeinsam mit der internationalen Schutztruppe ISAF an einem entsprechenden Plan, sagte der türkische ISAF-Kommandant Generalmajor Hilmi Akin Zorlu am Donnerstag. Außenminister Abdullah rief unterdessen die internationale Gemeinschaft zur Freigabe von Hilfsgeldern für Afghanistan auf. Aus dem Mord an Tourismusminister Abdul Rahman im Februar habe die afghanische Regierung nichts gelernt, sagte Zorlu. Spätestens die tödlichen Schüsse auf Kadir hätten gezeigt, wie dringend ein systematischer Schutz von Regierungsvertretern notwendig sei. Künftig würden alle Minister von einem persönlichen Leibwächter geschützt, ob sie wollten oder nicht. Der Mord an Kadir am 6. Juli ist nach wie vor ungeklärt. Abdullah sagte, Afghanistan drohe erneut im Chaos zu versinken, wenn weiter internationale Hilfen zurückgehalten würden. Das Geld werde dringend für den Aufbau von Straßen und Bewässerungssystemen benötigt, erklärte Abdullah auf einer Afghanistan-Konferenz an der Georgetown-Universität in Washington. Auf einer Geberkonferenz im Jänner in Tokio waren Kabul Hilfen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar (Euro) zugesagt worden, die jedoch bisher auf Grund der anhaltenden Instabilität und Gewalt im Land nur zögerlich fließen. Am Freitag wird der neue deutsche Verteidigungsminister Peter Struck zu einem eintägigen Besuch in Kabul erwartet. Er will dort unter anderem mit Präsident Hamid Karsai, Verteidigungsminister Mohammed Fahim und mit Zorlu zu Gesprächen zusammentreffen.(APA/AP)