New York - Mit dem Zusatzprotokoll, das ein UNO-Gremium am Mittwoch verabschiedet hat, soll die seit 1987 geltende Anti-Folter-Konvention der Vereinten Nationen wirksame Kontroll-Werkzeuge erhalten. Das Abkommen sieht Besuche internationaler Inspektoren in Gefängnissen oder Polizeistationen vor, um Folter und unmenschliche Behandlung zu verhindern. Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem "historischen Durchbruch". Zehn Jahre lang war eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung des Protokolls beschäftigt. Costa Rica hatte die Initiative bereits 1991 auf den Weg gebracht und führte auch den Vorsitz der Arbeitsgruppe. Auch mehrere Menschenrechtsorganisationen wie "amnesty international" und "Human Rights Watch" nahmen an den Verhandlungen teil. Das Abkommen sieht den Besuch von internationalen Inspektoren und der Mitarbeiter unabhängiger nationaler Organisationen überall dort vor, wo Menschen nicht in Freiheit leben. Dazu zählen unter anderem Polizeistationen, Gefängnisse oder psychiatrische Anstalten. Die Kontrolleure sollen sicherstellen, dass Menschen dort weder gefoltert noch in brutaler, unmenschlicher oder erniedrigender Weise behandelt werden. Ein internationales Komitee entscheidet über die Auswahl der zu inspizierenden Orte. Vor einem Besuch müssen die jeweiligen nationalen Behörden aber informiert werden. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen hatten sich für Überraschungsbesuche ausgesprochen, konnten sich damit aber nicht durchsetzen. Kritiker bemängeln außerdem, dass Staaten, die das Protokoll ratifizieren, bis zu fünf Jahre mit der Einrichtung der Kontrollgremien in ihrem Land warten können. Das Protokoll ist bereits im April von der UNO-Menschenrechtskommission in Genf verabschiedet worden. Nach der Zustimmung des Wirtschafts- und Sozialrats am Mittwoch muss es abschließend im September von der UNO-Vollversammlung beschlossen werden. Deren Zustimmung gilt nur noch als Formsache. Das Abkommen tritt in Kraft, wenn es insgesamt 20 der 130 Unterzeichnerstaaten der Anti-Folter-Konvention ratifiziert haben.(APA)