Wien - Nach dem Aktiencrash der letzten Wochen, der die US-Indizes auf die Tiefststände von 1997/98 zurück gebracht hat, stellen die Aktienexperten der Raiffeisen Zentralbank (RZB) die Aktienmärkte auf Kauf. Sehr kurzfristig sei aber durchaus noch ein Anstieg der Nervosität verbunden mit fallenden Kursen möglich. Auch nach dem sehr positiven Handelstag am Mittwoch mit dem sehr breit getragenen Aufschwung und Rekordvolumen könne aber noch keine endgültige Entwarnung gegeben werden. Nichtsdestotrotz schätzen die RZB die Wahrscheinlichkeit, zumindest einen vorläufigen Tiefststand gesehen zu haben, als sehr hoch ein. Die Trendwende wird noch vor dem 14. August erwartet und soll im Ausmaß je nach Markt 20 bis 30 Prozent ausmachen und zeitlich bis ins vierte Quartal reichen, prognostiziert die RZB, schließt dabei aber eine "Bärenmarktrally" nicht aus. Gerade der Themenbereich Aktienoptionen könnte an der Nasdaq noch zu deutlichen Rückschlägen führen, Europa bleibe davon weniger berührt. Kapitulationsanzeichen Als Argumente für eine Trendwende führt die RZB die Anzeichen einer Kapitulation der Investoren sowie die erkennbare Eskalation der Nervosität an. So hätten die Rückgänge der letzten Tage bei hohem Volumen stattgefunden. Aus Aktienfonds seien starke Abflüsse zu beobachten gewesen und die Volatilität der Aktienmärkte habe "Krisenniveau" erreicht. Einige Kontraindikatoren würden ebenfalls auf eine mögliche Trendwende hindeuten, etwa die in den letzten Tagen verstärkte Medienberichterstattung, die häufig in zeitlicher Nähe von Marktwendepunkten vorkomme. Diverse Stimmungsindikatoren würden ein Überhandnehmen von pessimistischen Aussagen anzeigen. Als weiteres Pro-Argument führt die RZB an, dass die Bewertung der Aktienmärkte nach dem Federal Stock Valuation Model (FSVM) der US-Notenbank Fed gegenüber den Rentenmärkten auf dem günstigsten Stand der letzten Jahre liege. Der S&P 500 Index zeige eine Unterbewertung von 29 Prozent. Der Euro Stoxx sei sogar um 35,8 Prozent unterbewertet. Zugleich warnt die RZB davor, Investitionsentscheidungen allein anhand eines einzelnen Indikators zu machen. Bewertungsniveau spricht gegen Trendwende Gegen eine Trendwende spreche derzeit auch noch das Bewertungsniveau, es biete nach wie vor kein Auffangnetz. Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) der S&P 500-Unternehmen liege aktuell bei 16 und damit über dem Niveau der New Economy-Ära, als es sich zwischen 10 und 15 bewegt habe. Zudem seien die erwarteten Gewinn der nächsten 12 Monate mit Unsicherheit behaftet, negative Gewinnrevisionen seien durchaus wahrscheinlich. Dazu komme das "Stock option"-Thema. Ausgaben für Aktienoptionen könnten zwingend ergebniswirksam verrechnet werden müssen. Eine allfällige Neuregelung würde den Technologiesektor hart treffen. Zur kurzfristigen Unsicherheit könnte laut RZB auch die von der Aufsichtsbehörde SEC ergriffene Maßnahme beitragen, wonach die Unternehmens- und Finanzchefs der 950 größten US-Unternehmen bis 14. August eidesstattlich erklären müssen, dass die zuletzt vorgelegten Abschlüsse richtig und vollständig sind. Nach diesem Datum sollte jedoch eine Beruhigung eintreten. (APA)