Wien/Skopje - Ungeachtet nahezu täglicher Schießereien zwischen rivalisierenden Banden und neuen Studien über die Zunahme des Menschenhandels auf dem Balkan zeichnet der mazedonische Außenminister Slobodan Casule ein optimistisches Bild seines Landes vor den Parlamentswahlen am 15. September, die als entscheidende letzte Etappe des "Friedensabkommens" von Ohrid vom vergangenen Sommer gelten. "Wir sind stabil, wir haben unsere Verpflichtungen erfüllt und wir werden sehr freie, sehr demokratische und sehr transparente Wahlen haben", versicherte Casule am Donnerstag in einem Gespräch mit dem STANDARD in Wien. Der Außenminister, der später vor dem Ständigen Rat der OSZE eine ähnlich positive Bilanz der Friedensbemühungen mit den extremistischen Albanerrebellen zog ("Ich bin ein stolzer Mann. Wir haben unseren Worten Taten folgen lassen"), plädierte auch für ein Ende der multinationalen Friedenstruppe der EU in Mazedonien. Er sähe nach den Wahlen im September keine Notwendigkeit mehr für eine militärische Präsenz, meinte Casule. Nur noch "Friktionen" In Mazedonien brach im Jänner 2001 ein bewaffneter Konflikt zwischen der Untergrundarmee UCK und der mazedonischen Armee aus. Die EU sprang der Regierung in Skopje bei, unterzeichnete im Frühjahr 2001 ein Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen mit Mazedonien und erzwang später ein Friedensabkommen, das mehr Mitsprache für die albanische Minderheit und Neuwahlen festlegte. Slobodan Casule, der erst seit vergangenem November als Vertreter der kleinen Partei Neue Demokratie der Regierung von Premier Ljubco Georgievski angehört, spielt die fortwährenden Zwischenfälle im Grenzgebiet zu Albanien herunter: Es gäbe noch "Friktionen" in der Region, aber keine, die groß genug wären, um Mazedonien in Gefahr zu bringen. "Der Terrorismus ist nicht tot", gesteht der 65-jährige Literaturwissenschafter und frühere Journalist ein, verweist aber gleichzeitig auf Afghanistan, Nahost und Kaschmir. Das "globale Phänomen der organisierten Kriminalität" sei durch wirtschaftlichen Aufbau zu bekämpfen. Der Raum für die Mafia auf dem Balkan werde zudem enger, wenn mithilfe von Nato und EU ein neues regionales Sicherheitssystem an den Grenzen errichtet würde - Casule empfiehlt gemeinsame Patrouillen mit den Nachbarländern. Der Minister betonte dabei auch, dass Mazedonien die Visapflicht für einige der EU-Kandidatenländer einführen werde, nicht aber für Österreich. Skopje ist verärgert über Transitländer wie Ungarn, die ihrerseits nur unter Auflagen ein Visum erteilen. (Markus Bernath/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.7.2002)