Prag/Brüssel - EU-Erweiterungs-Kommissar Günter Verheugen sieht in den Benes-Dekreten und dem südböhmischen Atomkraftwerk Temelin keine Hindernisse für den geplanten EU-Beitritt Tschechiens. In einem Interview mit der tschechischen Nachrichtenagentur CTK in Brüssel erklärte er weiters, er befürchte nicht, dass Österreich deswegen die Aufnahme Prags in die EU verhindere. "Man hat im österreichischen Parlament eine starke pro-europäische Mehrheit, die für die Erweiterung ist. Ich denke, dass die meisten Österreicher sich sehr wohl bewusst sind, dass gerade ihr Land den größten Nutzen aus der Erweiterung ziehen wird, und dass sie den größten Schaden erleiden würden, falls diese scheitern sollte", betonte Verheugen. Bezüglich der Unterzeichnung des Beitrittsvertrages, die die Zustimmung der gesamten Regierung, einschließlich der FPÖ, erfordert, sagte Verheugen, man sollte nicht über die innerstaatlichen Entscheidungsprozesse in Österreich spekulieren. "Meine Erfahrung mit Österreich ist, dass sie schließlich immer eine pragmatische Lösung finden können", so Verheugen. Die Temelin-Frage ist laut Verheugen gelöst. Immer mehr Leute seien sich bewusst, dass man "wirklich die bestmögliche Lösung gefunden habe - für Österreich". Der Melker-Vertrag zwischen Tschechien und Österreich, den er, Verheugen, vermittelt habe, sei "ein Weltunikat". In Zusammenhang mit der Bewältigung der gemeinsamen Vergangenheit deutete der EU-Kommissar an, dass es gut wäre, wenn Tschechien mit Österreich eine ähnliche Deklaration abschließen würde wie schon im Jänner 1997 mit Deutschland. Verheugen reagierte damit auf die ablehnende Haltung des neuen tschechischen Außenministers Cyril Svoboda einer derartigen Deklaration gegenüber. Er, Verheugen, habe den tschechischen Koalitionsvertrag gründlich studiert und sei zu dem Schluss gekommen, dass das Dokument genügend Flexibilität ermögliche, um das Problem mit den Nachbarn zu lösen, "das im Grunde genommen politisch, nicht juristisch ist". Zum beabsichtigten EU-Beitritt anderer Länder wie etwa der Slowakei sagte Verheugen, er hoffe, dass der slowakische Staatspräsident und andere Politiker garantieren würden, dass das Land nach den September-Wahlen eine Führung haben werde. "Ich betrachte es als sehr wahrscheinlich, dass man (in der Slowakei) nach den Wahlen eine Parlamentsmehrheit haben wird, die nicht nur das Vertrauen des slowakischen Volkes, sondern auch der Außenwelt haben wird, und die im Stande ist, die Slowakei in die NATO und die EU zu bringen", sagte Verheugen. (APA)