Wien - "Unter dem Deckmantel des Demonstrationsrechts wird Gewalt gegen Personen und Gegenstände geübt", eröffnete Staatsanwalt Karl Schober am Donnerstag seine Anklage im Wiener Straflandesgericht wegen Körperverletzung und versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt. Der Beschuldigte, ein Student mit Rastalocken, soll einen Polizisten bei der Opernballdemonstration 2001 niedergestoßen und mit Tritten attackiert haben. "Das stimmt überhaupt nicht", entgegnete der Angeklagte. Er habe sich damals mit einem Freund und der Grünen-Nationalratsabgeordneten Madeleine Petrovic unterhalten, als die Wega die Demonstration räumte. "Polizisten schlugen mit Schildern und Knüppeln auf uns ein und rissen mich teilweise an den Haaren", so der junge Mann. Sein Verteidiger Heinrich Vana kritisierte, dass die Ortsangaben der Zeugen in "diametralen Gegensatz" zu der Angeklagtenversion stünden. Eine weitere Ungereimtheit ortete er im Umstand, dass der Beschuldigte Linkshänder ist, ein Polizist aber Tritte mit dem rechten Fuß ausgemacht haben wollte. Vana stellte neue Beweisanträge, darunter den Antrag auf die Ladung von Petrovic als Zeugin. Das Verfahren wurde daraufhin auf unbestimmte Zeit vertagt. (sfm, DER STANDARD,Printausgabe 26.7.2002 )