Wien - Flimmern kann ganz schön einsam sei. Das Publikum hat halt manchmal was anderes zu tun, als zuzuschauen, wenn Dias darüber berichten, dass Wolfgang Schüssel Berge, Rapid Gegner und das Wetter den Sommer bezwingt. Und wo keiner hinschaut, kann auch niemandem auffallen, dass der kesse Satz vom Warten, dem ein anonymer "Wir" via Großbildschirm angeblich einen Sinn gibt, zwar penetrant aufpoppt - aber nicht aufgelöst wird.Der große Bildschirm am Matzleinsdorfer Platz Und das schon seit fast vier Wochen. Denn seit Anfang Juli steht der große Bildschirm über der Abfahrt in den Schlund der Gürtelunterführung am Matzleinsdorfer Platz. So wie sein Bruder beim Südtirolerplatz soll er erbauen, Zeit vertreiben und Frust verhindern. Schließlich ist hier - die Unterführungen sind auf je eine Richtungsspur reduziert - ja Superstau. Jedenfalls haben das Verkehrs-experten, Autolobbyisten und Straßenbauer vorhergesagt. Und Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SP) hat sich sogar vorab für den "unvermeidlichen" Megastau entschuldigt. Nicht-Baustellenzeiten Bloß: Es staut nicht. Jedenfalls nicht schlimmer als sonst. Wer zu Nicht-Baustellenzeiten den Matzleinsdorfer Platz überidrisch automobil queren will, brauchte nur unwesentlich weniger lange dazu. Auch unteridisch rollt der Verkehr. Träge, aber doch flüssig. Und das, bestätigen die Arbeiter vor Ort, sei keine Momentaufnahme. "Da ist nie mehr los", erklärt der Chef des Trupps, "wenn es stockt, dann dann, wenn der Gürtel auch vor der Sperre völlig zu war." Auch beim ÖAMTC wird das bestätigt: Angesagte Staus verhalten sich wie angekündigte Revolten - sie fallen aus. Und im Büro von Rudolf Schicker hat man nicht die Spur eines schlechten Gewissen, dass der Stadtrat als Cassandra völlig versagt hat: "Ein guter Verkehrsstadtrat muss kein guter Wahrsager sein." Nicht nur am Matzleinsdorfer Platz, auch an den anderen Großbau- und -staustellen der Stadt, sei die Lage weit besser als vorab bezittert: Was im Staufall als "unvermeidlich" und "schicksalhaft" beklagt worden wäre, ist - wenn es nicht eintritt - nun dank "gelungener Informationspolitik" ein hart erarbeiteter Erfolg. Sicherheitsrisiko Bliebe nur noch die Frage nach dem Sinn des Wartens. Eigentlich dem des Stau-TVs. Schließlich ist Fernsehen nur im Stillstand sicher - doch der Verkehr fließt. "Das ist ein Sicherheitsrisiko", meint darum auch ÖAMTC-Verkehrstechniker Roman Michalek. Außerdem: "Der Info-Gehalt ist mäßig, es gibt fast nur Werbung." Ob derartiges Straßen-TV Zukunft haben soll, will der Club im August die Autofahrer selbst fragen. Sicherheitsbedenken gäbe es aber auch im Rathaus, betont Bernd Skoric, Leiter der Verkehrssicherheitsabteilung der MA 46 (Verkehrsorganisation): "Wir sehen das nicht unbedingt euphorisch." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Printausgabe 26.7.2002)