"Eigentlich dachte ich, dass uns dieser Urlaub näher zusammenbringen wird", sagte die Frau und bekundete Enttäuschung: Das war kürzlich bei Lilo Wanders und "Wa(h)re Liebe", in einem Beitrag über eine Swinger-Kreuzfahrt. Swinger: Das sind bekanntlich Leute, die das Gefühl haben, näher zusammen zu sein, wenn der Partner oder die Partnerin möglichst in derselben Sexkoje mit jemand anderem zusammen ist, während man selbst auch . . . Oder so ähnlich.Jedenfalls: Nicht nur die Frau war enttäuscht, sondern auch viele andere Swinger aus ganz Europa, weil: Erstens war das Kreuzschiff, anders als im Katalog angekündigt, nicht ausschließlich für offene und aufgeschlossene Menschen, die "die Eifersucht über Bord geworfen haben", gebucht. Es gab noch andere Passagiere, die aber nackte Frauen fotografieren wollten und das auch fleißig taten, was wiederum daran erinnerte, dass es so etwas wie Schamgrenzen echt noch gibt. Das heißt: Es wurde nur gemeinsam getrunken. Es wurde geplaudert - über echte und künstliche Oberweiten. Und ein oder zwei Begleiterinnen tanzten zwecks Animation auch auf dem Tisch. Aber: Näher zusammen kam man nicht. Enttäuscht wie die Swinger waren offenbar auch die TV-Reporter. So ein Nepp! Und das nennt sich Swinger-Kreuzfahrt! Jetzt haben wir anstatt geiler Szenen nur Archivmaterial! Angeblich wurde das "Wa(h)re-Liebe"-Team nachher auch noch kurzfristig verhaftet! Bleibt nur zu hoffen, dass Lilo Wanders in Hinkunft wieder weniger Schwachsinn moderieren muss. (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2002)