Wien - Sauberes Wasser hat seinen Preis. Daher hat Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP) zu diesem Thema zwei Nachrichten für die Wiener und Wienerinnen parat.Die unangenehme: Nachdem gerade die Müllentsorgung teurer geworden ist, wird nun der Wasserverbrauch mehr kosten. Da tobt die Opposition: "Eine Frechheit," so die VP. Auch die Wirtschaftskammer will Betriebe nicht zur Kasse gebeten wissen. Liesingbach wird revitalisiert Wann und um wieviel genau der Tarif erhöht wird, darauf will Kossina sich noch nicht festlegen. Sie glaubt aber, dazu verpflichtet zu sein, Gebühren einzuheben - damit "Gelder für Investitionen in den Schutz der Umwelt vorhanden" sind. Womit die zweite, viel bessere Nachricht verkündet werden kann: Der Liesingbach wird um 38 Millionen Euro Steuergeld revitalisiert. Der Bach soll wieder zu "einem ökologisch funktionierenden Gerinne" werden, nimmt sich Christoph Langthaler, Leiter der MA45 (Wasserbau), vor. Gelingen soll das durch den naturnahen Rückbau des Uferverlaufs. In den 50-er und 60-er Jahren war dieses stellenweise in ein Betonkorsett gepresst worden, um die Hochwassergefahr zu bannen. Das betonierte Bett verhindert auch die Selbstreinigung des Gewässers. Heute weiß man, dass große Wassermengen am besten durch unterschiedliche Breiten und Tiefen im Flussbett, Gestrüpp und Büsche abgefangen werden können. Dort können auch Tiere gedeihen. In der Liesing lebt noch eine Krebsart. Nach der Sanierung, schätzen Ökologen, könnten künftig wieder 37 verschieden Fischsorten heimisch werden. Helmut Kadrnoska, Leiter des Wiener Kanalbaus, rechnet damit, dass die Liesing nach drei Jahren Bauzeit auf einem knapp 7 Kilometer langen Teilstück zwischen Blumental und Kledering dann wieder ihren früheren Lauf nimmt. 30 Kilometer ist der im Wienerwald entspringende Bach lang, 150.000 Anwohner wohnen in diesem Naherholungsgebiet. Kanal im Bach Auch an der Abwasserentsorgung wird gearbeitet. Unter dem Bachbett wird ein Kanal errichtet, der Regen- und Abwässer aus Industrie und Haushalten direkt in die Hauptkläranlage in Simmering leiten wird. Derzeit fließt beispielsweise das verbrauchte warme Badewasser aus der Therme Oberlaa in die Liesing. Dieses wird künftig in den Donaukanal geleitet. Jene Abwässer, die bisher in der Kläranlage Blumental gereinigt und dann in den Bach geleitet wurden, fließen künftig ebenfalls zur Hauptanlage Simmering. (aw, DER STANDARD, Printausgabe 26.7.2002)