Wien - Bestechung? Nicht mit Michael Häupl. Der Wiener SP-Bürgermeister ließ Donnerstag mitteilen, dass er für "seine Stadtsenatsmitglieder die Hand ins Feuer legt". Ein rasches Ende der Korruptionsaffäre, ausgelöst durch Aussagen von drei in U-Haft befindlichen Mafiafahndern des Innenministeriums, ist freilich dennoch nicht in Sicht. Die politische Opposition der Bundeshauptstadt lässt nicht locker.Eine Million Dollar für die österreichische Staatsbürgerschaft Wie berichtet, ließ einer der drei Agenten, denen Amtsmissbrauch und Begünstigung eines mutmaßlichen Mafia- capos vorgeworfen wird, quasi nebenbei fallen, dass er einmal in einem Bestechungsfall ermittelt habe: Ein Russe habe eine Million Dollar für die österreichische Staatsbürgerschaft geboten, Nutznießer wären "ein stellvertretender Behördenleiter und ein/e Stadtrat/in der Gemeinde Wien gewesen", heißt es wörtlich im Gerichtsprotokoll. Nun wird auch dieses Nebenprodukt vom Staatsanwalt verfolgt. Ob der Exmafiafahnder seine Angaben inzwischen vor dem U-Richter präzisiert hat, wann wer konkret wem das Angebot machte, war Donnerstag nicht zu erfahren. Die indirekt ins Spiel gebrachte, weil für Staatsbürgerschaften zuständige Stadträtin Renate Brauner wies jedenfalls bereits jegliche Verdächtigungen zurück. Johann Herzog (FP) und Maria Vassilakou (Grüne) - beide ebenfalls Stadträte, aber nicht amtsführend - warfen Häupl vor, noch vor drei Tagen völlige Unwissenheit demonstriert zu haben. Zu diesem Zeitpunkt sei jedoch bereits die Innenrevision informiert gewesen. Die Grünen regten eine Sondersitzung der Landesregierung unter Beiziehung des zuständigen U-Richters an. Im Büro Häupl hieß es dazu, aufgrund der Gewaltentrennung sei dies nicht möglich. Milliardenimperium Die meisten Spekulationen auf die Frage, wer denn eine Million US-Dollar für die Staatsbürgerschaft hinblättern habe wollen (und können), enden derzeit bei einem russischen Geschäftsmann, der den Sitz seines Milliardenimperiums vor einigen Jahren von Wien nach Moskau verlegt hat. Der in Taschkent geborene Mann wurde oft als Pate der Paten bezeichnet. Was die, die das behauptet hatten, nach Prozessen stets zurücknehmen und teuer bezahlen mussten. 1999 musste auch Jörg Haider, damals noch FP-Bundesparteiobmann, die Behauptung, die Firma des Russen sei der Mafia zuzuordnen, widerrufen. (simo, DER STANDARD, Printausgabe 26.7.2002)