Tirana - Offenbar wurde in Europa bereits im 6. Jahrhundert Schach gespielt - 500 Jahre früher, als bisher von den Archäologen angenommen. Darauf deutet nach Einschätzung des Archäologen Richard Hodges von der East Anglia Universität der Fund einer Schachfigur bei Ausgrabungen im südalbanischen Butrint hin. Von der Figur, die in den Überresten eines römischen Palastes aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert gefunden wurde, wisse man nur noch nicht, ob sie König oder Königin des damals benutzten Schachspiels darstelle, sagte Hodges telefonisch am Donnerstag. Bisher gingen Experten der Geschichte des Spiels davon aus, dass Schach von Angehörigen des Adels in Europa etwa ab dem 12. Jahrhundert gespielt wurde. Früheste Zeugnisse des "königlichen Spiels" in Europa waren aus Walross-Zähnen geschnittene Schachfiguren, die auf den Äußeren Hebriden gefunden wurden. Andere Stücke wurden in Süditalien entdeckt. Das Schachspiel wurde vermutlich in Indien im vierten oder fünften Jahrhundert entwickelt. Nach Europa gelangte es höchstwahrscheinlich über den Handelsweg der Seidenstraße. "Jedenfalls sieht es jetzt so aus, als sei Schach in der zentralen Mittelmeerregion schon 500 Jahre früher gespielt worden", sagte Hodges, der als wissenschaftlicher Leiter der Burin Foundation vorsteht, die die archäologischen Arbeiten in Albanien unterstützt. (APA/Reuters)