Nach einem Attentatsversuch am 23. Juli 2002, bei dem zwei kolumbianische Journalisten schwer verletzt wurden, fordert "Reporter ohne Grenzen" in einem Brief an den kolumbianischen Justizminister Rómolu Gonzalez Trujillo, die Tat unverzüglich aufzuklären und die Täter zu bestrafen. Bei dem Sprengstoffanschlag auf ein Cafe in der Stadt Medellin (im Nordosten des Landes) wurde ein ehemaliger Abgeordneter getötet und 10 Personen verletzt, darunter Fernando Yera, Leiter des Radiosenders El Clarin, und Jorge Carvalho, ehemaliger Leiter des Radiosenders Todelar. Nach Informationen der kolumbianischen Behörden warf eine Gruppe von Männern aus einem Auto heraus den Sprengstoff in das Cafe San Joaquin. Dort trafen sich Politiker und Journalisten zu einem regelmäßigen, informellen Austausch über die Probleme des Landes. Nach ersten Ermittlungen vermuten die Behörden die Guerilla der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hinter dem Anschlag. Ein Bekennerschreiben fehlt bisher. Berufung auf Genfer Konvention In einem Brief an Manuel Marulanda, fordert die internationale Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit den Führer der FARC-Guerilla auf, Artikel 3 der Genfer Konvention zu respektieren. Er garantiert den Schutz von Personen, die nicht direkt an einem Konflikt beteiligt sind. Journalisten in Kolumbien arbeiten in einem Klima des Terrors. Vor einer Woche, am 19. Juli, erhielt die Mediengruppe RCN in Calí (im Südwesten des Landes) ein Schreiben, indem acht Journalisten aufgefordert wurden, die Stadt innerhalb von 72 Stunden zu verlassen. Die Mitteilung, die angeblich von der Front "Manuel Cepada Vargas", dem linken Flügel der FARC-Guerilla, stammt, behauptete die Journalisten seien "Feinde des Volkes, die die Interessen der Oligarchie verteidigen". Am Tag zuvor ging ein Schreiben bei Radio Super in Bogotá ein, indem die Guerillakämpfer den Mediengruppen Caracol und RCN vorwerfen, den subversiven Aktionen der FARC die Legitimation abzusprechen und sie zu verteufeln. Die Authentizität der Schreiben konnte nicht bestätigt werden. Morddrohungen Seit Anfang Juli sind zwei Reporter wegen den Morddrohungen, die sie von der FARC erhielten, ins Exil gegangen. Am 16. Juli verließ Carlos Lajud, Mitarbeiter des Fernsehkanals City TV in Bogota, mit seiner Frau zusammen Kolumbien. Der Journalist hatte in Fernsehreportagen die Methoden der FARC kritisiert. Astrid Legarda, Mitarbeiterin von RCN TV, ging am 3. Juli ins Exil, nachdem sie erfahren hatte, die FARC plane sie wegen ihrer Berichterstattung über den bewaffneten Konflikt zu ermorden. Die Journalistin veröffentlichte Reportagen über die Kämpfe zwischen den rechtsgerichteten Paramilitärs und der linksgerichteten Guerilla und führte zahlreiche Interviews mit Paramilitärs der Vereinigten Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens (AUC). In den vergangenen zehn Jahre wurden in Kolumbien über 40 Journalistinnen und Journalisten in Ausübung ihrer Tätigkeit ermordet. (APA)