Mit einer zunehmenden Akzeptanz von zahlungspflichtigen Online-Inhalten unter den Internetusern rechnen Experten bereits in naher Zukunft. Bei mobilen Dienstleistungen für Handys oder Palmtops sei der Kunde jetzt schon gewohnt, zu bezahlen. Auch im Internet werde in Zukunft für jede tiefer gehende Information zum digitalen Geldbörsl gegriffen werden müsse, waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema "Paid Content" am Donnerstagabend in Wien einig."Information kann man nicht als Einheitsware verkaufen" Die technischen Lösungen für die aufwendigen Verrechnungssysteme stünden zwar zur Verfügung, seien aber immer noch eine Hemmschwelle für den Online-Käufer. "Information kann man nicht als Einheitsware verkaufen" nennt Björn Negelmann vom IT Research-Haus NewMediaSales.com die Voraussetzung für eine erfolgreich Content-Strategie. Der Kunde müsse einen "Mehrwert" durch die Information lukrieren. Die Stiftung Warentest beispielsweise biete die Grundinformationen gratis an, für den detaillierten Testbericht sei eine Gebühr zu entrichten. Spiegel.de versuche, Geld über die vorzeitige Veröffentlichung der Printartikel zu generieren, nennt Negelmann aktuelle Beispiele. "Es ist heute keine Frage der Technologie mehr - für jeden Fuß gibt es einen Schuh." "Der Wert solcher Information ist die gesparte Zeit" Peter Kropsch von der APA-Austria Presse Agentur sieht den Gewinn bringenden Markt für Paid Content vor allem in der Aufarbeitung und Personalisierung von Information in Form von Archiven, Pressespiegeln oder Suchfunktionen für den B2B-Bereich. "Der Wert solcher Information ist die gesparte Zeit", so Kropsch. Die Information müsse außerdem zuverlässig und für den jeweiligen Nutzer relevant sein. Ohne zusätzliche Dienstleistungen wie Beschlagwortung, Links oder Wertpapierkennnummern zum Beispiel bei Börsennachrichten sei Information heute schwer zu verkaufen. In Österreich ortet Kropsch Nachholbedarf: Im Gegensatz zu den USA und Deutschland sei beispielsweise der Zugang zu den Archiven österreichischer Verlage großteils noch kostenlos. "Die Konzepte dazu haben aber alle in der Schublade", ist Kropsch überzeugt. Schwachpunkt Bezahlen Der Schwachpunkt im Paid Content ist immer noch das Bezahlen, meint Atahan Tepe von der paysafecard AG: "50 Prozent der Kunden beenden frühzeitig den Zahlungsprozess." Grund dafür sei die Anonymität des Geschäftspartners, an den die Zahlung zu leisten ist. Gut angelaufen sei hingegen das Geschäft mit mobilen Spielen. "Die ersten zwei Level sind gratis, dann ist der Kunde süchtig und lädt sich die weiteren Spiellevels gegen Aufpreis herunter", erläutert Tepe die Taktik. Die Aufgabe von PSP (Payment Service Provider) wie der paysafecard AG liege darin, die gesamten Abrechnungsmodalitäten inklusive Bonitätsprüfung und Bankkontakte aus einer Hand anzubieten. Wieviel ein Content-Anbieter für den PSP veranschlagen muss, ist selbst dem Podium relativ unklar: "Ab 2,5 Prozent des Umsatzes aufwärts, aber es gibt noch nicht viele Erfahrungswerte", so Negelmann. "Eine Frage der Zeit" Das Ende der Kostenlos-Kultur im Internet ist auch für Paul Beyer von Xidris nur "eine Frage der Zeit, weil sich niemand mehr Gratis-Content leisten kann". Eine technische Variante seien die 0900er-Nummern, an die der Kunde ein mit einer bestimmten Summe vergebührtes SMS (Short Message Service) oder in Zukunft MMS (Multimedia Message Service) schickt, um ein Passwort zu erhalten, mit dem er die gewünschten Inhalte abrufen oder herunterladen kann. Die Einnahmen der Mehrwert-SMS teilen sich dann Content-Anbieter und Mobilfunkbetreiber, über den auch die Abrechnung erfolgt. (APA)